In den letzten Wochen ging es wie ein Lauffeuer durch die deutsche Presse: Veröffentlichungen, nach denen immer wieder Sanitäter und andere Rettungskräfte bei der Ausübung ihrer gewichtigen Aufgaben belästigt oder gar misshandelt worden waren. Nun packen drei Rettungssanitäter aus und plaudern aus dem Nähkästchen über die alltägliche Gewalt, die sie in ihrem Beruf erfahren müssen. Daniel Ullrich, Sebastian F. und Boris Michalowski heißen die drei Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes, die gegenüber der „Bild“ von ihrem harten Alltag in einem Bericht mit dem vielsagenden Untertitel „Wir wurden beschossen, geschlagen und bespuckt“ erzählen.

Michalowski war etwa an Silvester im Einsatz, fuhr in einem Rettungswagen mit. Seit über zehn Jahren hilft er dem ASB ehrenamtlich in Berlin Reinickendorf. Er berichtet, wie bereits etwa gegen 18:30 Uhr eine Rakete gezielt auf seinen Krankenwagen abgefeuert, von dem Geschoss ein großes Loch in ein Seitenfenster gestanzt wurde: „Genau dort sitzt im Einsatzfall ein Helfer und versorgt den Patienten“, resümiert Michalowski – die Sanis standen glücklicherweise in diesem Augenblick neben dem Wagen und saßen nicht drin
„Viele sehen in uns den Staat, denken, sie können ihren Frust ablassen“, führt der ehrenamtliche Sanitäter weiter aus. Auch Sebastian F. ist frustriert: „Anderen zu helfen war mein Traumberuf, doch davon ist fast nichts geblieben. Wir werden ohne jeden Respekt behandelt.“ F. ist Rettungsassistent, arbeitet bei der Berufsfeuerwehr sowie ebenfalls ehrenamtlich beim ASB. Seinen Schilderungen zufolge beginnt die Gewalt nicht erst im Einsatz, sondern teilweise schon, wenn Hilferufe eingehen: „Wenn du nicht sofort kommst, töte ich dich und deine Familie!“ – solche und ähnliche Sätze muss er sich am Telefon anhören.

Ins Nachbarzimmer geflüchtet

Am Einsatzort wird es dann noch schlimmer: „Bei einem Einsatz in Berlin-Spandau mussten wir uns zu fünft in ein Zimmer flüchten. Ein Familienvater hatte einen Herzinfarkt und ist trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben. Seine Angehörigen haben uns dafür verantwortlich gemacht, erst beleidigt und dann angegriffen. Wir haben dann die Polizei gerufen, die uns befreit hat.“ Auch der 35-jährige Daniel Ullrich berichtet ähnlich Niederschmetterndes. Auch er arbeitet seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich als Rettungsassistent: „Auf Straßenfesten versuchen Passanten regelmäßig, auf dem Trittbrett mitzufahren, öffnen die Türen oder rütteln am Fahrzeug“, so Ullrich.

Doch damit nicht genug: Selbst jene, denen geholfen werden soll, fallen vermehrt durch Gewalttaten auf: „Beim Versuch, einen Patienten zu behandeln, wurden wir erst beschimpft, dann wurde er aggressiv. Ein Kollege bekam erst kürzlich einen Faustschlag an der Augenbraue und musste in die Notaufnahme“, berichtet Ullrich. Auch bei der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) zeigt man sich empört und verlangt, dass härter durchgegriffen wird. „Täter müssen bestraft werden, in der Vergangenheit wurden zu viele Verfahren gegen Angreifer wegen Geringfügigkeit eingestellt“, moniert DFeuG-Sprecher Micha Quäker.

Ein Frust, den Sebastian F. teilt: „Ich habe schon mehrfach Anzeigen gestellt, aber erst einmal wurde ein Täter zu einer geringen Geldstrafe verurteilt.“

Quelle: bild.de