Restaurierter Film von 1927: „Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“ in Farben – Es ist ein Dilemma der Menschheit, aber wohl auch ein Segen, dass wir nicht über den Abgrund der Zeit hinwegreisen können. So war es und wird es wohl immer bleiben – Vergangenes bleibt vergangen. Doch mit dem technischen Fortschritt sinkt die Distanz. Wo uns die Historie zweier Weltkriege und der Jahrhundertwende etwa nur Schwarzweißbilder bot, kommen heute andere Möglichkeiten zum Einsatz. Wie bei diesem Film.

Das Berlin des Jahres 1927 konnte man zwar auch außerhalb von Museen in wackeligen, viel zu hastig wirkenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen sehen. Doch wohl nie zuvor in solch einer von Musik begleiteten Qualität: Aus jenem Jahr stammt nämlich der Film „Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“, bei dem Walter Ruttmann federführend war. Das Skript dazu entstammte der Arbeit von Carl Mayer and Karl Freund.

Ein ganzer Tag in Berlin

Den orchestralen Soundtrack des Werks steuerte ein Komponist namens Edmund Meisel bei. Der Film ist ein Fünfakter, der sich des Lebens in der Metropole im Jahre 1927 annimmt. Dabei begleitet der Zuschauer einen ganzen Tag in Berlin, angefangen mit der Dämmerung und endend bei der Nacht. 18 Monate dauerten die Aufnahmen, wie es in der Beschreibung des YouTube-Kanals „Rick88888888“ zu lesen steht.

Mithilfe einer modernen künstlichen Intelligenz und entsprechender spezieller Software nahm sich der Betreiber dieses Streifens auf Zuschauerwunsch an. Denn die Abonnenten von „Rick88888888“ monieren, dass der Video-Restaurator ihnen immer nur Filme oder Aufnahmen zeigte, die Wohlstandsgegenden und reiche Stadtteile porträtierten.

Ärmere Seiten der Spreemetropole

„Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“ soll sich aber auch jener Teile Berlins annehmen, die zu der Zeit arm waren. „Rick88888888“ stabilisierte die Bewegungen des Originalmaterials, nahm leichte Geschwindigkeitskorrekturen vor, reparierte das Bild, verstärkte es und ließ es schließlich durch seine KI kolorieren, was die möglicherweise befremdlich wirkenden Farben erklärt. Dessen ungeachtet ein faszinierender Ausflug in eine mögliche Vorstellung von 1927.