Gerade als man sich auf dem heimischen Balkon entspannen wollte und bereits die Füße hochgelegt hat, klingelt das Handy. Der Chef ist dran und möchte, dass man unverzüglich in die Firma kommt. Ein Notfall!

Dieser Aufforderung muss jedoch kein Arbeitnehmer Folge leisten, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Der Chef darf seine Untergebenen unter gar keinen Umständen bitten, ihren Urlaub abzubrechen bzw. in den Betrieb zu kommen. Interessanterweise gilt dies nicht nur für den bereits angetretenen Urlaub, sondern auch für zukünftigen. Hat der Chef beispielsweise bereits Urlaub genehmigt, darf er das nicht einfach rückgängig machen. „Wenn der einmal festgelegt ist, dann gilt das auch.“

Immer öfter beobachtet Oberthür, dass die Arbeitnehmer trotz ihres Rechtes in die Firma zurückkehren, wenn Not am Mann ist. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, geschieht es denn auf freiwilliger Basis. Jedoch sollte man sich sofort mit dem Chef in Kontakt setzen und ihn fragen, wann die Urlaubstage stattdessen angesetzt werden. Oder auch, ob die Firma Stornierungskosten für eine bereits gebuchte Reise zahlt.

Den Urlaub zu verschieben, bedeutet Opfer bringen. Insbesondere für arbeitende Eltern. Diese sind ja schließlich auf die Ferien ihrer Kinder angewiesen, um in den Urlaub fahren zu können. Einen angemessenen Ausgleich gibt es vom Vorgesetzten jedoch in den seltensten Fällen.