Man sollte meinen, die meisten Leute nehmen selbst eine leichte Krankheit zum Anlass, der Arbeit fernzubleiben. Tatsächlich ist aber genau das Gegenteil der Fall. Laut einer Untersuchung des deutschen Gewerkschaftbundes (DGB) gehen zwei Drittel aller Angestellten mindestens einmal pro Jahr krank zur Arbeit. Die Gründe für dieses in Fachkreisen als „Präsentismus“ bezeichnete Verhalten sind meist ein großer Leistungs-, Zeit- und Termindruck sowie die Angst, seinen Job zu verlieren. Verständlich, in diesen Zeiten, einen Gefallen tut man damit aber letzten Endes niemandem. Wobei zunächst zu klären wäre, bei welchen Symptomen man überhaupt zuhause blieben sollte.

Leichter Schnupfen, Husten oder Kopfschmerzen sind Ärzten zufolge noch kein Grund, das Bett zu hüten. Wobei aber natürlich tunlichst darauf geachtet werden sollte, dass man niemanden ansteckt. Benutzte Taschentücher gehören in den Mülleimer und auch die Hände sollte man sich häufiger waschen als sonst. Vom Schütteln dieser ist zudem Abstand zu nehmen, ebenso wie vor großen Menschenansammlungen.

Wer sich dagegen mit Fieber, Gliederschmerzen und gelblichem Auswurf beim Husten oder Naseputzen herumplagt, bleibt bitte zuhause. Denn alleine am Fieber erkennt man schon, dass der Körper mit Krankheitserregern ringt; ein Kampf, den ihr nur dann unterstützen könnt, wenn ihr euch ausruht und im Bett bleibt. Besagter gelblicher Auswurf ist indes ein Hinweis auf einen bakteriellen Infekt und bedarf häufig einer Behandlung mit Antibiotika.

Wer sich mit Durchfall und Erbrechen zur Arbeit schleppt, dem ist allerdings wohl gar nicht mehr zu helfen. Mal abgesehen von den rein praktischen Gründen, im Bett und in Klonähe zu bleiben, darf auch der hohe Wasserverlust nicht unterschätzt werden, weshalb man in so einem Falle gefälligst das Haus nicht verlässt.

Denn letzten Endes schadet ihr damit nicht nur euch selbst, sondern vor allem auch Kollegen und dem Arbeitgeber.

Wer krank ist, leistet nun einmal nicht so viel wie im gesunden Zustand und Fehler häufen sich, was sich entsprechend potenziert, wenn man seine ganze Abteilung ansteckt. Zudem sind vermeintlich kleine Erkrankungen wie zum Beispiel der Norovirus mitunter richtig gefährlich. Wer trotz einer Erkältung körperlicher Arbeit nachgeht, riskiert nicht weniger, als sein Herz zu schädigen. Aber auch wenn ihr „nur“ im Büro sitzt solltet ihr stets nach dem Motto handeln: Wenn ihr aufgrund der Signale eures Körpers nicht mehr in der Lage seid produktiv zu arbeiten, solltet ihr ihm Ruhe gönnen!

Übrigens gilt das Ganze auch im Falle von Kindern. Leidet euer Nachwuchs an Fieber, Erbrechen und Durchfall gehört er ins Bett. Und mit ansteckenden Erkrankungen wie Windpocken und Masern ist an einen Schulbesuch ohnehin nicht zu denken. Im Zweifelsfall solltet ihr immer erst einen Arzt aufsuchen, bevor ihr euer Kind in eine Gemeinschaftseinrichtung schickt.

Und damit dafür auch die nötige Zeit bleibt, haben Eltern von kranken Kindern ein Recht darauf, von der Arbeit freigestellt zu werden. Hinzu kommt ein Anspruch auf Lohnfortzahlung für bis zu fünf Tagen im Jahr, wenn man aufgrund der Erkrankung seines Kindes der Arbeit fernbleibt. Sollte diese nicht durch den Arbeits- und Tarifvertrage gedeckt sein, greift bei gesetzlich Krankenversicherten die Krankenkasse. Eltern, die ein Kind unter 12 Jahren pflegen müssen, stehen dafür bis zu zehn freie Tage im Jahr zur Verfügung und Kinderkrankengeld anstelle einer Lohnfortzahlung zu.

Quelle: general-anzeiger-bonn.de