Kürzlich kam es am Amtsgericht in Hannover zu einem Prozess, der in dieser Form auf bundesweiter Ebene einzigartig sein dürfte. Dass man im Zuge einer Verletzung beim Liebesspiel verklagt wird, ist gar nicht so ungewöhnlich, wie man meinen sollte. Aber mit Wattestäbchen … ?! Der Anwalt des Klägers brachte es mit einer einleitenden Äußerung gegenüber dem Richter schon ganz gut auf den Punkt, als dieser sagte: „Ich erlebe be-ruflich immer wieder Dinge, die ich mir privat gar nicht vorstellen will.“

Aber von vorne: Der Mandant besagten Anwaltes hatte sich über das Online-Portal „fetisch.de“ mit der Dame verabredet, die wir an dieser Stelle einfach mal Molly nennen wollen. Und ja, das dürft ihr gerne als Seitenhieb auf ihre Körperfülle verstehen. Im Vorfeld fragte Molly ihr Betthupferl, im folgenden Mike genannt, wo denn dessen Grenzen seien. Mike daraufhin: „Keine Schäden oder Blut. Voraussetzung ist, gesund zu bleiben.“

Unter diesen Bedingungen kam es dann, dass die Zwei sich am 11. Mai 2014 in der Wohnung der korpulenten Molly trafen. Diese setzte sich im Laufe des Liebesspieles rücklings auf Mike, so dass der nicht sehen konnte, wie sie ein Wattestäbchen in seine Harnröhre einführte. Warum auch immer…

Die Folgen waren hingegen recht greifbar. Mike leidet seither unter einer chronischen Blasen-, Harnröhren- und Prostata-Entzündung.

Also konsultierte Mike einen Anwalt, der ihm jedoch mitteilte, dass eine Klage vermutlich aussichtslos sei. Erst kurz vor der Verjährung des Tatbestandes entschied sich Mike, dennoch vor Gericht zu ziehen. „Voraussetzung für den Liebesakt ist grenzenloses Vertrauen. Das wurde im vorliegenden Fall missbraucht“, so das Argument, welches der mit dem Fall beauftragte Jurist ins Feld führt.

Der Richter sah die Sache indes etwas lockerer und konterte jovial: „Beim Fußball willigen sie ja auch nicht ein, dass sie verletzt werden.“ Und doch komme es andauernd zu Verletzungen. Der Anwalt wiederum: „Liebesspiel ist kein Kampfsport.“ Der Richter blieb jedoch skeptisch. Lag nicht doch eine Einwilligung des Mannes vor? „Er war nicht gefesselt und auch nicht ohnmächtig. Man merkt doch, wenn da unten rumgefummelt wird.“

Der findige Anwalt widersprach. Schließlich habe die Frau dem Kläger nicht gesagt, was sie vorhabe. Zudem habe Mike zuvor ausdrücklich gesagt, worauf es im beim Sex ankomme. Nämlich gesund zu bleiben.

Das Ende vom Lied: Molly stimmte einen Vergleich zu und muss 500 Euro Strafe zahlen.

Und falls ihr euch nun fragt, was die Moral von der Geschichte ist: Es gibt keine! Dafür wisst jetzt aber, was euch erwartet, wenn ihr jemandem ohne dessen ausdrückliche Erlaubnis Wattestäbchen einführt.

Quelle: neuepresse.de