Polizei verbot ihr, sich oben ohne zu sonnen: Frau verklagt Berliner Bezirk – Als sich Gabrielle Lebreton im Sommer letzten Jahres auf einem Wasserspielplatz frei machte, um sich oben ohne zu sonnen, wusste sich noch nicht, dass sie damit einen Polizeieinsatz auslösen würde, der damit endete, dass sie des Platzes verwiesen wurde. Das wollte sie jedoch nicht auf sich sitzen lassen und reichte nun offiziell Klage gegen den Bezirk Treptow-Köpenick ein.

Am 20. Juni 2021 besuchte Lebreton im Beisein ihres sechsjährigen Sohnes und mit einem Freund nebst dessen Tochter den umzäunten Wasserspielplatz mit Liegewiesen, betrieben vom Grünflächenamt des Bezirks Treptow-Köpenick.

Wie es heißt, hätten die beiden Erwachsenen mit freiem Oberkörper auf der Wiese gesessen und seien dort von zwei Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes angesprochen worden: Lebreton habe sich zu bedecken – ihr männlicher Begleiter hingegen nicht.

Gegenüber der „taz“ sollte Lebreton später zu Protokoll geben: „Ich fragte: ‚Warum?‘ Sie sagten, weil dies kein FKK-Bereich sei. ‚Aber ich bin nicht nackt‘, sagte ich. Darauf sie: ‚Als Frau müssen Sie einen BH tragen.‘“

Als die Berlinerin entgegnete, dass sie dies als diskriminierend empfinde, rief der Sicherheitsdienst die Polizei hinzu.

Diese gab den Mitarbeitern des Wasserspielplatzes Recht und schrie Lebreton angeblich sogar an, dass sie fünf Minuten Zeit habe, um rauszugehen.

Lebreton machte den Fall daraufhin auf Facebook publik, woraufhin sich eine große Solidaritätsdemo formte und eine Petition unter dem Motto „Gleiche Brust für Alle“ ins Leben gerufen wurde.

Die Berlinerin vertritt die Meinung, dass Frauen im Sommer ebenso mit freiem Oberkörper durch die Gegend laufen dürfen sollten, wenn dies auch Männern gestattet sei, und auch ihre Rechtsanwältin Leonie Thum sieht hier einen klaren Fall von Geschlechtsdiskriminierung.

„Die Diskriminierung ist eindeutig, weil Frau Lebreton ausdrücklich anders behandelt wurde als anwesende Männer, die ihre Oberkörper nicht bekleideten“, erklärte Thum der „taz“.

Nachdem sich der Bezirk zunächst im Zuge einer Pressemitteilung auf die Hausordnung berief, gab es von dort später eine Entschuldigung für „das entstandene Gefühl der Diskriminierung und ein mögliches Fehlverhalten des Sicherheitsdienstes“.

Lebreton mag diese aber nicht annehmen, untermauere diese Äußerung ihrer Anwältin zufolge doch die Diskriminierung im Grunde und streite das Vorliegen einer solchen gar ab.

Inzwischen ließ man vonseiten des Bezirkes Treptow-Köpenick verlautbaren, die Hausordnung der sogenannten Kinderplansche für den kommenden Sommer neu aufzulegen. Fortan müsse Badebekleidung beider Geschlechter dort nur die primären Geschlechtsorgane bedecken.

Lebreton weicht von ihrer Klage dennoch nicht ab und betont:„Viele Menschen erleben Diskriminierung, aber kaum jemand kennt die rechtlichen Möglichkeiten. Ich hoffe, damit dazu beizutragen, dass es weniger Ungleichbehandlung gibt.“

Thum zufolge beziehe sich die eingeforderte Entschädigung auf die bereits erlittene Diskriminierung und habe Sanktionscharakter.

Quellen: stern.de , taz.de