Männer reden zwar nicht gerne drüber, aber auch wir haben Gefühle. Und damit sind nicht nur Durst, Hunger und die Lust am Autofahren gemeint, sondern auch Unsicherheit und Komplexe. Denn die Sorge, um einen unzureichenden Körper ist beileibe kein Monopol der Frau. Nur dass unsere Problemzone halt sehr… partiell ist.

Und so kommt es dann auch, dass eine gestörte Selbstwahrnehmung, unrealistische Vorbilder aus der Pornoindustrie, zu wenig Selbstbewusstsein oder gar unangenehme Erfahrungen Männer auf den Trichter bringen können, einen größeren Penis haben zu wollen, der auf Kommando und möglichst lange erigiert. Und wenn dann auch noch Probleme mit der Potenz und Libido hinzukommen, kann das Liebesleben heftig in Mitleidenschaft gezogen werden, was dann wiederum am Selbstbild nagt. Ein Teufelskreis.

An Methoden, Wundermitteln und Gerätschaften, um Penis und Potenz auf Vordermann zu bringen, herrscht fürwahr kein Mangel, wenn man der Werbung aus dem Netz Glauben schenken mag. Ob an all diesen Gerüchten und Mythen um den Effekt auf die Männlichkeit aber auch etwas dran ist, verrät uns Prof. Dr. med. Christian Wülfing, seines Zeichens Chefarzt in der Urologie der Asklepios Klinik Altona in Hamburg und Mitglied des medizinischen Beirats der Männergesundheitsplattform GoSpring.de.

1. Nashornpulver als Aphrodisiakum

Der Glaube, dass man mit dem zerriebenen Horn eines Rhinozerosses nicht nur die Potenz steigern, sondern auch Krebs heilen kann, blickt auf eine jahrtausendelange Geschichte in der traditionellen chinesischen Medizin zurück und ist leider Gottes bis heute in Asien weit verbreitet. Entsprechend hoch sind auch die Preise auf dem Schwarzmarkt. Die wirre Idee dahinter ist, dass durch den Konsum die animalischen Kräfte des Tieres auf den Menschen übergehen. Wenn überhaupt, kann es sich dabei allerdings nur um einen Placebo-Effekt handeln, denn so ein Horn besteht lediglich aus Keratin. Insofern könntet ihr genauso gut auch eure Fingernägel kauen.

2. Baumrinde als Potenzmittel

Aus den Blättern und der Rinde des in Westafrika beheimateten immergrünen Yohimbe-Baums lässt sich das sogenannte Yohimbin gewinnen. Jene Substanz wirkt als α2-Adrenozeptor-Antagonist auf die Blutgefäße und erweitert diese. Das führt vor allem in der Leistengegend zu einer besseren Durchblutung, die Schwellkörper des Penis werden ordentlich mit Blut geflutet und die Erregbarkeit nimmt entsprechend zu. Daneben kann die Einnahme des Extraktes allerdings auch Blutdruck, Herzfrequenz sowie die motorische Aktivität erhöhen, bei einer zu hohen Dosierung darüber hinaus zu Herzrasen, Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit führen.

Prof. Wülfing erklärt: „Nashornpulver ist ganz klar ein Mythos! Yohimbin dagegen ist etwas aus der Mode gekommen. Als es Viagra und Co noch nicht gab, hat man Yohimbin tatsächlich öfter verabreicht und manchmal auch Erfolg damit gehabt.“