Neuer Reaktor-Test Anfang 2022 in China: Kunstsonne 17 Minuten lang mit bis 70 Mio. Grad aktiv – Schon länger ist bekannt, dass man in China im Zuge eines internationalen Projekts an einem thermonuklearen Reaktor arbeitet. An einer Maschine, die sich wie eine „künstliche Sonne“ verhält. Anfang 2022 war dieser Apparat einmal mehr für einen Test aktiviert worden – bei diesem erzielte er über einen längeren Zeitraum die 5,5-fache Hitze unseres Zentralgestirns.

Experimental Advanced Superconducting Tokamak (EAST), so der Name dieses Reaktors, über den MANN.TV im Oktober 2021 berichtet hatte. EAST befindet sich westlich von Shanghai und gilt als Projekt, mit dem eines Tages möglicherweise „unbegrenzte saubere Energie“ produziert werden könnte. Die Experten vor Ort leiteten das Jahr 2022 mit einem neuerlichen Test des Reaktors ein.

Dabei wurden Temperaturen von rund 70 Millionen Grad Celsius erzielt.

Zum Vergleich: je nach Position herrschen im Inneren der Sonne bis zu 15 Millionen Grad Celsius – der Reaktor brennt also mit einer rund 5,5-Grad höheren Temperatur. Laut der „South China Morning Post“ konnte EAST diesen Wert 17 Minuten und 36 Sekunden lang halten. Der bereits im Dezember vorbereitete Testlauf des Reaktors soll mit weiteren Wiederholungen bis zum Juni dieses Jahres andauern.

Gong Xianzu, ein Forscher am Institut für Plasmaphysik der chinesischen Akademie der Wissenschaften, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Xinhua: „Der jüngste Betrieb legt eine solide wissenschaftliche und experimentelle Grundlage für den Betrieb eines Fusionsreaktors.“

Auch der Direktor des Instituts für Plasmaphysik, Song Yuntao, zeigte sich erfreut:

„Das Experiment hat den Weltrekord wieder einmal in Frage gestellt. Wir haben die Technologie umfassend validiert und damit einen großen Schritt von der Grundlagenforschung zu technischen Anwendungen gemacht.“ Song Yuntao nimmt mit den Aussagen Bezug auf einen Rekord von 2021. Seinerzeit hatte EAST bei einem Testlauf von nur 101 Sekunden eine Temperatur von über 120 Millionen Grad Celsius erreicht.

Über den Rekordversuch mit Plasma hatte damals auch die „New York Post“ berichtet – der Erfolg wurde als Meilenstein auf dem Weg zur sauberen Energie gewertet. Thermonukleare Reaktoren wie EAST machen sich die Prinzipien zu Nutze, welche auch die Sonne zum Energiespender eines planetaren Systems machen: Bei Höchsttemperaturen fusionieren Wasserstoffisotope, die als Plasma schier unerschöpfliche, saubere Energiereserven freisetzen.

Song Yuntao ist zuversichtlich, dass das Ziel, dies auf der Erde zu erreichen, mit EAST im Jahr 2040 schon Realität werden könnte. Der Testerfolg des Reaktors dürfte ein weiterer Schritt dorthin sein.

Quelle: ladbible.com