Als Teil eines EU-Maßnahmenpaketes, das eigentlich die Arbeitsbedingungen für europäische Lkw-Fahrer verbessern sollte, wurde nun durch die Verkehrsminister der Europäischen Union beschlossen, dass Brummifahrer ihren Lkw selbst bei vorhandener Führerhaus-Koje nicht als Schlafplatz benutzen dürfen. Damit soll den Missständen durch Lkw überfüllter Rastplätze und dem unfall-belasteten Verkehrschaos dort entgegengewirkt werden.

Auf diese Weise wollen die EU-Gesetzgeber Spediteure und Transportunternehmen zudem verpflichten, für bezahlte Unterkünfte für ihre Brummifahrer zu sorgen. Norbert Hofer, österreichischer Verkehrsminister, bezeichnete den Erlass während einer Pressekonferenz als „absolutes Kabinenschlafverbot“. Eine Sprecherin betonte, dass das Gesetz lediglich die wöchentliche Ruhezeit betreffe – nicht die Schlafzeit nach einer Fahrer-Schicht.

Woher Hotels nehmen?

Diese Wochen-Ruhezeit beträgt verpflichtend mindestens 45 Stunden am Stück – stellt man sich nun vor, dass Lkw-Fahrer keine einzige davon in ihrer Kabine verbringen dürfen, werden die Probleme deutlicher: Eine beachtliche Infrastruktur aus Hotels und Unterkünften in der Nähe von Autobahnen wäre notwendig, Übernachtungskosten wären gravierend und müssten von den Speditionsunternehmen in Form erhöhter Preise an Kunden weitergegeben werden. Zudem hätten „Planenschlitzer“ genannte LKW-Diebe in Abwesenheit der Fahrer freie Hand.

Der Beschluss der EU-Minister zielt auch darauf ab, dem vor allem von westeuropäischen Staaten beklagten Sozialdumping und unlauteren Wettbewerb im Transportgewerbe entgegenzuwirken: Deutschland hatte sich erst im vergangenen Jahr zu einer Allianz mit Frankreich, Österreich, Belgien, Dänemark, Italien, Luxemburg, Norwegen und Schweden zusammengetan, um etwas gegen die Missstände zu unternehmen.

Vier Wochen – und ab nach Hause

Ein Teil der Mängelliste: Die Tatsache, dass viele Brummifahrer teils etliche Wochen unterwegs sind, ohne je auch nur einmal ihren Heimatort anfahren zu müssen. Der neue Beschluss schiebt dem einen Riegel vor: Kraftfahrer aller Art dürfen nun höchstens zusammenhängend vier Wochen in Europa unterwegs sein, dann heißt es: ab nach Hause. Auch gerechtere Löhne sind Teil des Minister-Pakets.

Vor Ort sollen für gleiche Tätigkeiten auch stets gleiche Löhne gezahlt werden, wie Norbert Hofer in Brüssel betonte. Durch die Beschlüsse würden die Lebens- und Arbeitsbedingungen von etwa zwei Millionen Kraftfahrern in Europa insgesamt verbessert, so der österreichische Verkehrsminister. Damit das von ihm und seinen Kollegen beschlossene Brummi-Paket in Kraft treten kann, muss sich nun das Europaparlament darüber einig werden.

Quelle: bild.de