Im Kampf gegen Umweltverschmutzung holt die EU zum nächsten großen Schlag aus. Nachdem bereits verzichtenswerten Plastikprodukten wie Strohhalmen und Einwegbesteck dank der Ende 2018 vereinbarten EU-Richtlinie zur Vermeidung von Plastikmüll mit Inkrafttreten in rund zwei Jahren der Hahn abgedreht wird, soll nun auch die Zahl an achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen drastisch gesenkt werden. Der Plan dazu sieht vor, die Tabakindustrie in die Pflicht zu nehmen.

Das bedeutet konkret, dass Zigarettenhersteller, deren Filter Plastik enthalten, laut der neuen Richtlinie in Zukunft der sogenannten „erweiterten Herstellerverantwortung“ unterliegen, und damit finanziell für die Entsorgung aufkommen müssen. Bislang wurde diese vom Steuerzahler gestemmt, da die Aufräumkosten über die Abfallgebühren auf die Allgemeinheit umgelegt wurden. Im nächsten Schritt soll zudem die Anzahl an Aschenbechern erhöht werden. Auch diese Initiative obliegt der Tabakindustrie, welche sich mit dem Argument, dass die Entsorgung aus Mitteln finanziert werden solle, welche der Staat durch entsprechende Steuern erzielt, allerdings noch dagegen sträubt.

„Zigarettenstummel gefährden die Umwelt!“

Des Weiteren soll jede Zigarettenverpackung mit einem Warnhinweis versehen werden, dass man Kippen nicht auf die Straße werfen darf. Denn dies gilt mittlerweile als Ordnungswidrigkeit, die je nach Region unterschiedlich hohe Bußgelder nach sich zieht. In der Praxis wird ein solches Vergehen bekanntlich jedoch eher selten geahndet.

Vor diesem Hintergrund wertet Umweltministerin Svenja Schulze von der SPD die neue Gesetzgebung als großen Erfolg. Gegenüber der BILD äußerte sie: „Mit der neuen EU-Richtlinie haben wir endlich die Chance, die Zigarettenindustrie stärker in die Verantwortung zu nehmen. Zigarettenkippen tragen massiv zur Verschmutzung unserer Umwelt bei. Künftig werden die Hersteller sich an den Kosten der Reinigung von Parks oder Stränden beteiligen müssen. Ich finde das fairer, als wenn alle Steuerzahler gleichermaßen dafür aufkommen müssen.“

Rund 137 Millionen Kippen landen auf deutschen Wegen, Straßen und Plätzen. Jeden Tag, wohlgemerkt! Ganze neun Prozent der Bestände an Plastikmüll an der Ostsee bestehen aus Zigarettenstummeln und selbst im Meereis der Arktis konnten bereits Chemikalien und Kleinstpartikel nachgewiesen werden, die aus Zigarettenfiltern stammen, und krebserregende Substanzen wie Nikotin und Arsen enthalten.

Quelle: bild.de