Mit Rollstuhl in den Bahngleisen: Polizistin rettet Rentner in letzter Sekunde – Egal, in was für einem Fahrzeug man unterwegs ist – bleibt man auf den Gleisen liegen und es kommt ein Zug, ist das ein Albtraum. Gegen zehntausende Tonnen Stahl ist man machtlos. Da hilft nur aussteigen, das Weite suchen. Doch was, wenn man in einem Rollstuhl unterwegs ist, gar nicht oder nur langsam gehen kann? Ein Albtraum, der für eine Person im Video dank einer beherzten Polizistin noch einmal gut ausging.

Der Vorfall ereignete sich im August 2020. Die beiden Polizeibeamten Erika Urrea and Sgt. Steve Maynard waren im Ort Lodi in ihrer Gemeinde Central Valley in Kalifornien (USA) auf Patrouille, als sie einen 66-jährigen Mann im Rollstuhl erspähten. Sofort erkannten die Beamtin und ihr Vorgesetzter, dass besagtes Gefährt der Länge nach an einem Bahnübergang mit allen Reifen in den Gleisrillen stand.

Unverrückbar fixiert

Es war Erika Urrea, die den hilflosen Rentner in seinem Rollstuhl gerade noch im Augenwinkel erspähte: „Ich schaute also zufällig zur Seite und bemerkte, dass dort ein Mann in einem Rollstuhl saß, und er schien regelrecht zu schaukeln, so als ob er festsäße“, erzählte Urrea gegenüber „NBC Nightly News“. Ein Zug nahte, es galt, keine Sekunde mehr zu verlieren – die Beamtin wetzte los.

Ihre Bodycam zeichnete diese Momententscheidung auf. Sie sprintete auf den Rentner zu, sprach ihn mit einem „Können Sie aufstehen?“ an. Statt erst auf die Antwort zu warten, schnallte sie den Mann ab, packte ihn am Oberkörper und zerrte ihn aus dem Rollstuhl. Dabei rief sie wie rasend: „Stehen Sie auf, stehen Sie auf, stehen Sie auf, stehen Sie auf!“ So zog sie ihn aus dem Weg – beide stürzten neben den Gleisen zu Boden.

Keine Sekunde zu spät:

Kleinholz. Die gewaltige Lokomotive der Linie Union Pacific verdampft den Rollstuhl förmlich, verteilte explosionsartig Splitter des kleinen Fahrzeugs auf dem Bahnübergang. Später sollte die Beamtin angeben, während sie handelte gar nichts gespürt zu haben. Außer Zeitdruck – erst 24 Stunden später, als sie das Video selbst betrachten konnte, merkte sie die psychische Belastung:

„Ich versuchte, herauszufinden: 'OK, wo ist der Zug? Ich weiß nicht, wie schnell der Zug fährt. Wie viel Zeit bleibt mir?' Aber mein Ziel war: 'Ich muss ihn von den Gleisen holen'“, so Urrea. „Ehrlich gesagt, es kommt mir so vor, als würde ich das Video von jemand anderem sehen. Es ist so surreal … es war beängstigend, das zu sehen.“ Der Rentner wurde ins Krankenhaus eingeliefert und erholte sich von dem Vorfall.

Ermittlungen ergaben, dass das Steckenbleiben mit dem Rollstuhl eine reine Verkettung von Umständen war.

Quelle: nbcnews.com