Bei circa 5,6 Millionen Haushalten in deutschen Großstädten müssen bereits mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens herhalten, um für Miete und Nebenkosten aufzukommen. Das ist das Fazit einer Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die für 77 deutsche Großstädte die Wohnkostenbelastung aus dem Jahr 2014 ermittelt und veröffentlicht hat. In jedem zehnten deutschen Großstadt-Haushalt wird sogar mehr als die Hälfte des verfügbaren Einkommens nur für Miete und Nebenkosten aufgewandt.

In 1,3 Millionen Haushalten bleibt für die Menschen nach Abzug dieser Beträge weniger als der Hartz-4-Satz zum Leben. Jahrzehntelang war der sozialpolitische Ansatz verfolgt worden, Einkommensunterschiede durch Investitionen in den sozialen Wohnungsbau abzumildern. Dieser Ansatz habe sich „weitgehend aufgelöst“, heißt es in der Studie. „Die Wohnbedingungen sind damit nicht nur ein Spiegel bestehender Ungleichheit, sondern tragen selbst durch die hohe Mietbelastung zu einer wachsenden Ungleichheit bei“, so das Fazit.

Mietpreisbremse muss verschärft werden

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell fordert angesichts dieser Entwicklungen einen Einschnitt: „Wir brauchen endlich eine Wende in der Wohnungspolitik und dafür ein Sofortprogramm für mehr bezahlbaren Mietwohnungsbau“, verlangt er. Der Bund müsse für den sozialen Wohnungsbau deutlich mehr Gelder als die jährlichen 1,5 Milliarden Euro aufwenden und dafür Sorge tragen, dass eine solche Finanzierung über das Jahr 2019 hinaus zur Verfügung stehe.

Zeitgleich müsse die Mietpreisbremse verschärft, leerstehende Büroräume zu Wohnungen umgebaut werden. Die Studie verglich auch das Nettoeinkommen von insgesamt 45,37 Millionen Großstadtbewohnern mit dem jeweiligen Mietniveau in den Großstädten: Am teuersten wohnt es sich demnach nach Verdienst in Bonn, hier gehen 30,3 Prozent des Nettoeinkommens für Miete und Nebenkosten drauf, in Neuss 30,1 Prozent, in Köln 29,3 Prozent, in Düsseldorf 29,2 Prozent und in Bremen 29, 1 Prozent.

In all diesen Städten bewegt sich der Wert an der 30-Prozent-Grenze oder überschreitet diese bereits – diese wurde sowohl von der Sozialwissenschaft als auch von der Immobilienwirtschaft als Obergrenze bezahlbaren Wohnens festgelegt. Am günstigsten wohnt es sich zur Bruttokaltmiete in Chemnitz (20,9 Prozent), außerdem in Heidelberg, Jena, Dresden, Leipzig und Magdeburg – hier liegen die Mietbelastungsquoten unter 24 Prozent.

Quelle: epochtimes.de