„Unter ‚Angst‘ steht in meinem Wörterbuch nichts“, fasst der 88-jährige John Nixon seine Lebenseinstellung zusammen. Und dass er lebt, was er denkt, hat er auf die harte Tour bewiesen: Als er mitbekam, wie eine junge Frau von gleich fünf mit Messern bewaffneten Räubern überfallen wurde, schritt er trotz seines hohen Alters ohne auch nur eine Sekunde zu zögern ein.

Einen Täter schaltete Nixon mit einem Karate-Handkantenschlag in den Nacken aus, bevor einer der Komplizen des Täters dem alten Mann Hände und Gesicht mit einem Messer zerschnitt. Die Frau konnte jedoch schreiend die Flucht ergreifen – etwas, dass ihr die Täter, die durch Nixons Eingriff vollkommen überrumpelt waren, nachtaten. Ein Nachbar verständigte die Polizei, so dass Mister Nixon ins Krankenhaus eingeliefert werden konnte. Seinen Schilderungen gegenüber dem britischen „Standard“ zufolge handelte es sich bei den Tätern um eine Jugendbande. Als die Halbstarken sich an der Handtasche und den Kleidungsstücken der jungen Dame vergriffen, sah Nixon rot:

„Mein erster Gedanke war, sie von dem Mädchen abzulenken, sie schrie. Also brüllte ich ‚lasst sie in Ruhe‘!“ Darauf entspann sich Nixon zufolge ein Dialog mit den Tätern, sie drehten sich um und sagten: „Dann nehmen wir halt dein Geld…“, woraufhin der tapfere Rentner entgegnete: „Nein, wohl eher nicht.“ Eine Erklärung für das zögerliche Handeln der Halbstarken hat Mister John Nixon auch gleich parat: „Kinder in dem Alter sind halt Maulhelden, wissen Sie, die haben schlicht nicht mit einer solchen Überraschung gerechnet.“ In der Tat wissen die Täter nicht, wie viel Glück sie hatten, dass der 88-jährige Witwer bereits so alt ist. Denn in seinem früheren Leben war er Mitglied einer Spezialeinheit.

Böse Überraschung für Halbstarke: Nixon war Elitesoldat

Während der 40er Jahre wurde Nixon zum Kommandosoldat ausgebildet, während des Koreakriegs focht er ebenso wie in geheimen Spezialeinheiten in Ägypten, dem Mittleren Osten und auch in Deutschland. Später arbeitete er als Bodyguard für Ärzte ohne Grenzen in Nigeria. Nixon: „Meine Ausbildung schlug augenblicklich an. Ich landete einen Treffer in seinem Nacken, der ihn halb bewusstlos schlug. Da hatte ich zwar einen ausgeschaltet, aber der andere zückte augenblicklich ein Messer, also musste ich mich dem stellen. Ihn musste ich entwaffnen, aber dabei zog ich mir hier eine Menge Wunden zu, viel Blut. Aber er war nicht ausgebildet und es war eher ein Taschenmesser, daher waren die Schnitte oberflächlich.“

Die Täter ließen Nixon blutend zurück, glücklicherweise wurde er später versorgt. Die Polizei lobte Nixon wegen seiner herausragenden Zivilcourage und „außergewöhnlichen Mutes“ und ein Sozialarbeiter brachte ihn als „lebenden Beweis“ zu einem Treffen einer Bürgerwehr mit. Nixon sieht die Sache weitaus nüchterner: „Meine Gedanken waren nur bei der Frau, der ich helfen wollte. Im Leben hat man mir schon ins Bein geschossen, ich wurde auch von einer Schlange gebissen, deren Gift sich jahrelang untätig in meiner Wirbelsäule festgesetzt hatte, bevor es anschlug. Ich hatte den Tod schon so oft vor Augen, dass mich so eine Situation nicht mehr aus der Ruhe bringen kann. Die Frau ist schreiend weggelaufen und ich hoffe, es geht ihr gut.“

Falls ihr euch je gewundert habt, wie Helden klingen: Nun wisst ihr es.

Quelle: standard.co.uk