Zugegeben, es gibt wesentlich appetitlichere Themen und nichts von dem, was ihr gleich lesen werdet, ersetzt im Verdachtsfall den Gang zum Arzt. Aber schaden kann es nicht, zu wissen, was die Beschaffenheit unseres Urins über den eigenen Gesundheitszustand verrät. Denn Geruch, Farbe und Menge können auch Laien dabei helfen, mögliche Krankheiten frühzeitig zu erkennen.

Oder war euch bewusst, dass Harn beim Wasserlassen grundsätzlich erst mal vollkommen unauffällig riecht?! Natürlich duftet es nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel, wie zum Beispiel Spargel, vorübergehend gerne mal etwas strenger. Ein lange anhaltender übler oder beißender Geruch kann allerdings Zeichen für Harnwegsinfekte oder gar Diabetes sein. Tendiert dieser ins „fischige“, sind daran meist Bakterien Schuld, die bei Frauen zu einer Scheidenentzündung führen können.

Nicht weniger aussagekräftig ist die Farbe. Unter optimalen Umständen ist Urin klar und leicht gelblich, beziehungsweise bernsteinfarben. Diese Färbung kommt durch Stoffwechselprodukte, die sogenannten „Urochrome“ zustande. Logisch also, dass die Ausprägung der Gelbfärbung je nach Menge der Urochrome im Urin von einem intensiven gelb (hypotoner Urin) bis hin zu farblos bzw. durchsichtig sehr unterschiedlich ausfallen kann. Des Weiteren spielt die Flüssigkeitszufuhr eine große Rolle. Es gilt: Wer viel trinkt, hat einen helleren Urin, wer wenig Flüssigkeit zu sich nimmt, eher einen dunkleren.

Je heller, desto besser!

Ideal für uns ist ein möglichst heller Urin. Deshalb raten Gesundheitsexperten auch dazu, pro Tag mindestens so viel zu trinken, dass 1,5 Liter Urin über die Harnwege ausgeschieden und Nieren und die ableitenden Harnwege dadurch gut durchgespült werden. Scheidet ihr dagegen sehr wenig und sehr dunklen Urin aus, könnte dies ein Zeichen für eine Störung der Nieren oder der Leber sein. Im Zuge der vermehrten Aufnahme von Vitamin B kann es sogar zu einer neongelben, pinken oder gar grünlichen Verfärbung kommen. Dies ist jedoch meist unbedenklich.

Einen Arzt konsultieren solltet ihr, wenn der Urin trüb ist oder Partikel darin schwimmen, was ein klarer Hinweis auf einen Harnwegsinfekt darstellt. Tendieren die Harnausscheidungen ins rötliche, ist Blut mit im Spiel und damit gegebenenfalls Nieren- oder Harnleitersteine oder andere, schwerwiegendere Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Orange bis bräunlich kann unter anderem eine Erkrankung der Gallenblase oder der Leber bedeuten. Schaumiger Urin oder auf dem Harn schwimmende Fettaugen offenbaren dagegen Probleme mit den Nieren.

Eigendiagnose ersetzt keinen Arzt

Dr. Reinhold Schaefer, Urologe und Geschäftsführer der Uro-GmbH Nordrhein gibt bei alledem jedoch zu bedenken, dass „rötliche Verfärbungen und andere Veränderungen auch nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel oder der Einnahme einiger Medikamente auftreten.“ Zwar sei es durchaus sinnvoll, seine Ausscheidungen zu beobachten, eine Eigendiagnose von daher aber „immer unter Vorbehalt zu sehen.“

Sicherheit verschafft am Ende immer nur der Gang zum Urologen, da Urin-Tests aus den Apotheken laut den Experten aufgrund einer hohen Fehlerquote und falscher Anwendung oft unnötige Sorgen auslösten. Gut beraten ist zudem, wer auch ohne Beschwerden einmal im Jahr einen fachmännischen Urin-Test durchführen lässt, um eventuelle Auffälligkeiten wie zum Beispiel erhöhte Blutzuckerwerte frühzeitig zu erkennen.

Quelle: heilpraxisnet.de