In der festen Überzeugung, dass wir hierzulande die Gleichberechtigung von Frauen und Männern bereits auf eine vergleichsweise hohe Stufe gehoben haben, durfte der Autor dieser Zeilen kürzlich mit einer engen Vertrauten eine intensive Debatte zu dem Thema auf Augenhöhe führen. Interessant, wie lehrreich ein solches Gespräch sein kann, wenn es nicht von verbitterten Hassgesängen auf das (weiße) männliche Geschlecht geprägt ist und man seine Hoden nicht vor argumentativen Tiefschlägen in Sicherheit bringen muss.

Wähnte sich eben jener Autor zu Beginn des Gespräches nun noch in der behaglichen Wohlfühlzone eines Mannes, der sich für äußerst liberal hält, starken Frauen in Führungspositionen mit der gleichen Insubordination begegnet wie männlichen Vorgesetzten und ein klares „Nein“ als solches akzeptieren kann, musste er zu seiner eigenen Verwunderung bald feststellen, dass es dann doch ganz gehörig durch das Dach seines Save-House regnet.

Kürzen wir das Ganze mit der Erkenntnis ab, dass man durchaus eine Prise Chauvinismus in sein eigenes Süppchen geben darf, solange man niemanden zwingt, sie auszulöffeln. Es gibt nämlich immer noch mehr als genug Frauen dort draußen, die Wert auf eine gewisse Würze legen und mit einem sozial-politisch kastrierten Mann nicht das Geringste anzufangen wissen, die nichts gegen einen klassischen Gentleman oder gar einen heißen Flirt einzuwenden haben…

… solange – und das ist jetzt wichtig – es im gegenseitigen Einverständnis und im Rahmen der Grenzen des jeweils anderen geschieht.

Doch wenn ihr nun meint, das sei doch vollkommen klar und selbstverständlich, dann fragt euch doch einfach mal, wie oft ihr nach einem „Kein Interesse!“, angestachelt von den Jungs, doch noch einen zweiten Anlauf gewagt habt. „Na komm schon!“ Klingelt da was?

Natürlich beginnt jede Beziehung damit, dass irgendwer den ersten Schritt macht. Da man in bierseliger Flirtlaune jedoch eher zum Stolpern neigt, sollte man sich diese ganze „Anmach“-Scheiße am besten einfach sparen. Damit wäre uns allen gedient. Sich zu trauen, eine Frau einfach so anzuquatschen, darf nicht als Synonym für Männlichkeit gelten, denn ob ihr es glaubt oder nicht: Da beginnt schon Belästigung!

Habt ihr gewusst, dass es entgegen der landläufigen Meinung für Frauen äußerst unangenehm sein kann, wenn ihnen unentwegt hinterhergepfiffen und gerufen wird, wie heiß und sexy sie doch seien?! Stellt euch vor, ihr seid in einem dunklen Wald unterwegs und ein Rudel Wolfe kündigt mit lautem Geheul die Jagd auf euch an … weil ihr ja so lecker seid…

Keine Frage, nicht alle Männer sind so. Aber die ganzen distanzlosen Arschlöcher, die Grabscher, Rubbler und Fummler liegen nun einmal mit auf unserer Waagschale und ziehen das ganze Geschlecht dabei mit sich herunter. Oder wundert sich irgendjemand ernsthaft, warum Frauen, die um Gleichberechtigung bemüht sind, uns mit einer gewissen Skepsis begegnen?

Umgekehrt ist es schließlich nicht anders. Die fackelschwingenden Social-Justice-Radikalen sind weiß Gott auch kein Maßstab für die Frauenwelt von heute und doch fürchtet Mann, dass ihm dieser Tage alle Weibsbilder die Krawatte abschneiden wollen.

Vielleicht ist das der Brennstoff dieser ganzen Geschlechter-Misere: Angst!

Angst um die eigene Unversehrtheit, Angst, nicht anerkannt und gewürdigt zu werden, Angst alleine zu sein.

Ergo sollte das Ziel sein, eine Gesellschaft zu ermöglichen, in der sich niemand mehr fürchten muss. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist, den Freiraum der anderen zu respektieren und allen die gleichen Rechte zuzugestehen, die auch für einen selbst gelten sollten.

Und nichts anderes bedeutet Gleichberechtigung! Zumindest im positiven Sinne des Wortes.

P.S.: Ach so … und um Bezug zum Video zu nehmen, um das es laut Chef in diesem Artikel eigentlich gehen sollte: Wie festgefahren trotz aller Aufgeklärtheit die Rollenbilder noch sind, zeigt sich einer Studie zufolge bereits im Haushalt.