Lebende „Xenobots“: Forscher entwickeln erstmals fortpflanzungsfähige Roboter – Die Robotik scheint dem Empfinden nach gar täglich Fortschritte zu erzielen. Nun ist es Wissenschaftlern gelungen, Roboter zu erschaffen, die sich selbst vermehren können. Doch es handelt sich nicht um Maschinen aus Fleisch und Blut, sondern um synthetische Lebensformen, die aus Haut- und Herzmuskel-Zellen bestehen.

Diese wurden Froschembryos entnommen und werden nach einer afrikanischen Froschart „Xenobots“ genannt: Xenopus laevis. Seinen Forschungsbericht veröffentlichte das Team im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Science“. Darin ist zu lesen, dass die Xenobots dabei beobachtet werden konnten, wie sie Objekte bewegten, schoben oder sogar trugen. Ergebnisse, die sich den Experten zufolge zukünftig als wertvoll erweisen könnten.

Vorstellbar wären etwa Einsätze bei der Entfernung von Mikroplastik.

Auch könnten die Xenobots zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden, wie Studien-Co-Autor Professor Michael Levin erläutert. So könnten sie etwa die Lösung für „traumatische Verletzungen, Geburtsfehler, Krebs und Alterung“ darstellen – vorausgesetzt, man könne den Xenobots haargenau die notwendigen Handlungen diktieren. Mehr noch: Den biologischen Robotern gelang es, die Forscher zu überraschen. Denn sie vermehrten sich.

Noch dazu auf eine Weise, welche die Wissenschaft bislang noch nie beobachten konnte: „Wir haben herausgefunden, dass sich synthetische multizelluläre Verbände auch kinematisch replizieren können, indem sie dissoziierte Zellen in ihrer Umgebung zu funktionalen Selbstkopien bewegen und komprimieren. Diese Form der Fortpflanzung, die bisher in keinem Organismus zu beobachten war, entsteht spontan innerhalb weniger Tage, anstatt sich über Jahrtausende zu entwickeln“, heißt es wörtlich in dem Bericht.

In einer Pressemitteilung betont Co-Autor Dr. Douglas Blackiston:

„Die Menschen haben lange Zeit geglaubt, dass wir alle Möglichkeiten, wie sich Leben reproduzieren oder vermehren kann, erforscht haben. Aber dies ist etwas, das noch nie zuvor beobachtet wurde.“ Sein Kollege, Hauptautor Dr. Sam Kriegman, ergänzte: „Das sind Froschzellen, die sich auf eine Art und Weise vermehren, die sich von der Art und Weise, wie Frösche dies tun, stark unterscheidet. Kein Tier und keine Pflanze, die der Wissenschaft bekannt wäre, repliziert sich auf diese Weise.“

Nach der Vermehrung starben die synthetischen Lebensformen, wie die Wissenschaftler betonen. Im nächsten Schritt fütterten sie daher eine Supercomputer-KI mit ihren Erkenntnissen. Die Aufgabe: Eine Lebensform zu gestalten, die nach der Vermehrung durch Selbstkopien nicht sterben würde. Auch diese Weiterentwicklung der Xenobots gelang, eine an die Videospielfigur Pac Man erinnernde Lebensform war geboren.

Kriegman dazu:

Es ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Es sieht sehr einfach aus, aber es ist nichts, was sich ein menschlicher Ingenieur ausdenken würde. Wir schickten die Ergebnisse an Doug und er baute diese Pac-Man-förmigen Eltern-Xenobots. Diese Eltern haben dann Kinder gebaut, diese wiederum Enkel, diese Urenkel und diese dann Ur-Ur-Enkel.“

Der gesamte Prozess wurde auf mehreren staatlichen und Landesebenen sowie durch Ethikinstitute begleitet, wie „Ladbible“ schreibt. Die Forschergruppe betont, volle Kontrolle über die sich selbst vermehrende Biotechnologie zu besitzen – und ebenso, dass diese sich in einem Labor unter Verschluss befinde.

Quelle: ladbible.com