Es bedarf keiner derart angstgeschwängerten Stimmung, wie wir sie gerade erleben, dass einem die Muffe geht, sobald jemand Fremdes eine Waffe zieht. In Panik zu geraten oder gar vor Angst zu erstarren ist in dem Falle vollkommen natürlich, wenn wohl auch nicht unbedingt ratsam. Wohl dem also, der auch in einer solchen Situation die Nerven behält. So wie zwei äußerst couragierte Bürger aus München, die eine entsprechend gefährliche Situation kürzlich zu jedermanns Zufriedenheit beenden konnten.

    
Doch vor vorne: An einem Sonntagabend um 22 Uhr steigt ein alkoholisierter Mann in einem Waggon der S-Bahn-Linie 1. Vor den Augen der entsetzten Fahrgäste zieht er plötzlich eine Waffe, lädt durch und zielt auf den Boden. Erfolglos versuchen daraufhin zwei junge Männer, 17 und 19 Jahre alt, ihm die Waffe abzunehmen, doch dem nach wie vor Bewaffneten gelingt es, am Hauptbahnhof auszusteigen. Während die zwei Helfer – mutig keine Frage, aber nicht die wahren Helden dieser Geschichte – den Fall bei der Polizei zur Anzeige bringen, zieht der Pistolero weiter.

Zwei Stunden später, um 23.15 Uhr, beobachten mehrere Zeugen, wie ein 49-jähriger Mann, dessen Beschreibung sich mit jener aus dem Vorfall in der S1 deckt, in der Lindwurmstraße eine Pistole zieht und einem Passanten an den Kopf hält. Glücklicherweise beschränkt er sich darauf seinem Opfer einen Tritt zu verpassen, welches zwar stürzt, sich aber wieder aufrappeln und entkommen kann.

In diesem Moment greifen zwei Männer, diesmal 35 und 22 Jahre, ein. Doch anstatt sich in eine körperliche Auseinandersetzung zu begeben, deuten sie die augenscheinliche Affinität des Mannes für Alkohol richtig, und laden ihn stattdessen kurzerhand auf ein Bier ein.

Mit Erfolg! Der Mann beruhigt sich und folgt den beiden Münchenern in die nächste Kneipe, wo die alarmierte Polizei ihn schließlich nur noch vom Tresen pflücken muss.

Chapeau! So geht es natürlich auch!

I Fotos: Winds / kviktor  / Shutterstock.com

Quelle: sueddeutsche.de