Von einem „Mic Drop“ spricht man, wenn jemand am Ende eines Auftritts, einer Performance oder einer Rede theatralisch sein Mikro fallenlässt, um klarzustellen, dass er oder sie gerade so richtig einen vom Stapel gelassen hat – und das Publikum bleibt meist sprachlos zurück. Das Äquivalent eines solchen „Mic Drops“ lieferte Michael Stuban in Form einer E-Mail. Der 58-Jährige ging unfreiwillig in den Ruhestand, weil er sich im Unternehmen nicht mehr ernstgenommen fühlte – und hinterließ bei seinem Abschied einen Mitarbeiterfragebogen, der keine Fragen mehr danach offenließ, was Stuban von seinem Brötchengeber hielt.

35 Jahre hatte Stuban bei der PTC (Pennsylvania Turnpike Comission) gearbeitet, einem US-Unternehmen, das den gleichnamigem Verkehrsweg besitzt und Mautgebühren von deren Benutzern eintreibt. Die letzten zehn Jahre hatte Stuban dabei als Schalterbeamter für die Maut verbracht. Für die Personalabteilung sollte Michael einen letzten Fragebogen bei seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen ausfüllen. Hier einige Kostproben, was Stuban von der Führung seiner Wirkungsstätte hielt (nicht von seinem Job an sich, wie so oft in solchen Fällen mochte er den):

•    „Die letzten fünf Jahre waren schrecklich. Die Führungskräfte haben jeden Bezug zum Durchschnittsangestellten verloren und kümmern sich nur um sich selbst.

•    Die „Verlogenheit und Bigotterie“ störten Stuban – Seminare, in denen man den Mitarbeitern erzählte, sie wären nicht politisch. Dabei würden alle Einstellungsmaßnahmen auf politischen Grundlagen gefällt und es ginge darum, „wen du kennst, nicht was du kannst“.

•    „Ihr holt unqualifizierte Leute von der Straße in leitende Positionen, statt Mitarbeiter aus dem Haus zu befördern.

•    Dass sein Brötchengeber das Einsammeln der Maut automatisieren wolle, sei der Grund, warum er „momentan niemandem empfehlen könne“, bei der PTC den Dienst zu versehen.

Diese und viele weitere Antworten lassen sich in Michael Stubans mittlerweile veröffentlichtem Fragebogen finden. Den schickte er jedoch nicht an seinen unmittelbaren Teamleiter, mit dem er laut Fragebogen gut klarkam, sondern gleich an sämtliche 2000 Kollegen im Hause. Der Geschäftsführer des Unternehmens antwortete darauf umgehend – und ebenfalls an sämtliche Mitarbeiter: „Mr. Stuban … ich glaube nicht, dass wir uns je getroffen haben, und nachdem ich Ihren Exit-Fragebogen gelesen habe, bin ich dankbar dafür.“ Da nimmt jemand seine Mitarbeiter ernst – und spricht eine ebenso deutliche Frage wie Michaels Fragebogen.

Quelle: express.de