40.000 Euro Jahresgehalt, zweieinhalb Tage Arbeit pro Woche und Gratiseintritt in die angesagtesten Clubs einer Metropole – klingt wie ein ausgezeichneter Job. Falls ihr jetzt denkt, dass wir mondänen MANN.TV-Schreiberlinge unsere Arbeitsumstände beschrieben haben, so irrt ihr – wir haben es noch dicker. Der Verfasser tippt diesen Bericht gerade auf seiner 30-Meter-Jacht. Nein, Quatsch, dies ist eine Stellenbeschreibung aus London. Die Weltstadt sucht den „Zar der Nacht“, einen professionellen Partygänger und Vermittler.

Bis zum 12. September haben interessierte Briten Zeit, sich auf die Stelle zu bewerben, die vor allem dazu dient, das Londoner Nachtleben zu promoten. Ausgeschrieben hat den Posten Sadiq Khan, der Bürgermeister der Metropole. Entscheidende Qualitäten für die Stelle: ein gewisses öffentliches Ansehen (inklusive zweier Leumundszeugen), ein Interesse am stadtpolitischen Umfeld und an wirtschaftlichen Zusammenhängen des Nachtlebens sowie Führungskompetenzen. Klingt nach einem Traumjob. Mit dem aber eine Verantwortung einhergeht, denn der „Zar der Nacht“ soll als Vermittler und Gesicht der Nachtkultur dienen – und dem Bürgermeister Bericht erstatten. Dennoch: Zweieinhalb Tage Arbeit pro Woche bei dieser Bezahlung, das gibt es nicht jeden Tag.

Teure Taxen 

Warum das Londoner Nachtleben Promo braucht? Weil viele Bewohner der Weltstadt trotz der gigantischen Auswahl an Nachtclubs, Discos, Theatern sowie Restaurants und Pubs lange Zeit keine Lust aufs Ausgehen verspürten. Einer der Gründe: Die Taxifahrten in der Weltstadt sind vielen Londonern zu teuer. Zudem fuhren viele U-Bahn-Linie nachts am Wochenende nicht – dies zwang etliche Bürger, auf die teureren Taxis oder unzuverlässige Nachtbusse auszuweichen und verprellte Nachtschwärmer.

Doch dank des Projekts „Night Tube“ von Bürgermeister Khan fahren U-Bahnen der beiden größten Hauptlinien jetzt nachts am Wochenende. Das soll für enorme Umsätze sorgen. 100.000 Partygänger und Nachtschwärmer werden jedes Wochenende mit dem sich anbahnenden Boom erwartet. Die brauchen einen Repräsentanten und ein Gesicht. Den „Zar der Nacht“. Amsterdam oder Paris unterhalten bereits einen ähnlichen Posten – der muss sich aber mit dem Titel „Nachtbürgermeister“ begnügen.

Quelle: handelsblatt.com