Deutschland, Land der Dichter und Denker – und Land der schäbigen kleinen Nachbarschaftsstreitigkeiten. Unser Justizsystem quillt über vor kleinlichem Gemäkel über Obstbaumäste, die über Jägerzäune hängen, angeblich zu laute Blagen oder das Gegurre der Luftrattenzucht des Schrebergartennachbarn. Jep, wir Deutschen lieben es irgendwie, uns wegen kleinlicher – pardon – Scheiße den Wirsing einzuschlagen.

Was aber nun in Franken passiert ist, weil ein Stein aus einem Laubbläser einen geparkten Wagen getroffen hat, ist dermaßen abgefahren, dass wir euch an dieser Stelle einfach nur die komplette, recht satirisch angehauchte, Pressemitteilung der Aachener Polizei präsentieren möchten. Und damit es keine Missverständnisse gibt: Diese Meldung ist kein Fake und es handelt sich wirklich um eine offizielle Pressemitteilung der Polizei!

Vorhang auf – für das Theater des Wahnsinns:
Eschweiler (ots) - Ein Laubbläser hat es Samstagmittag geschafft, einen größeren Polizeiein-satz auszulösen. Das Gerät wird in naher Zukunft neben der Polizei noch Rechtsanwälte, Staatsanwälte und die Gerichte beschäftigen. Viel Wind mit viel Lärm.

Was war geschehen? Um genau 12.40 Uhr ging der Notruf bei der Polizei ein: Schwere Schlägerei in der Gutenbergstraße. Über 100 Leute beteiligt. Man gehe mit Kettensägen und Mistgabeln aufeinander los. Ein Anrufer bezeichnete das, was dort geschehe, gar als Massa-ker. Bahn frei für die Polizei, um mit Sonder- und Wegerechten zum Ort des vermeintlichen Gemetzels zu fahren. Insgesamt acht Streifenwagen rückten aus allen Himmelsrichtungen an. Am Tatort angekommen, strömten zunächst einmal von allen Seiten hektisch Menschen auf die Beamten zu, um den Sachverhalt aus ihrer Sicht und möglichst als erster den Polizisten mitzuteilen. Einige von ihnen tatsächlich bewaffnet mit Sägen, Heckenscheren, Mistgabeln, Baseballschläger, Golfschläger und Rechen.

Und dennoch schafften die Beamten es recht zügig, sich lauthals Ruhe zu verschaffen (das geht) und die Kontrahenten gefahrlos zu trennen, ohne dass auch nur ein Gartengerät zweck-entfremdet zum Einsatz kam.

Zunächst stellte sich heraus, dass es trotz dieser enormen Schlägerei unter etwa 40 Beteiligten "nur" einen Verletzten gab. Der war bei der Auseinandersetzung von einer Leiter, die nicht als Steighilfe sondern eher als Waffe zum Einsatz kam, am Kopf getroffen und verletzt worden. Er kam mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus.

Ursächlich für diese Riesenauseinandersetzung war ein Laubbläser. 1,5 PS, etwa 84 dB. Landschaftspfleger hatten sich am Morgen daran gemacht, die dort stehenden Hecken und Bäume im Rahmen eines Auftrages zurückzuschneiden. Hierdurch herabfallendes Laub wurde mittels jenes Laubbläsers zusammengeblasen. Ein kleiner Stein und kleines Geäst fühlte sich mit angesprochen und ließen sich so gegen ein geparktes Auto blasen. Sehr zum Leidwesen des Besitzers, der sich bei den Pflegern sofort beschwerte. Man(n) durchlief offenbar mehrere Eskalationsstufen: Verfehlen der Tonart, Geschrei, Streit, körperliche Auseinandersetzung, Bewaffnung.... Jedenfalls schaukelte es sich mächtig auf.

Am Ende leitete die Polizei mehrere Strafverfahren ein wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung.....und und und.

Schließlich endet das Polizeiprotokoll zu diesem Einsatz wie folgt: "Um weitere Auseinan-dersetzungen zu verhindern, wurde den Landschaftspflegern empfohlen, die Arbeiten im Be-reich der Gutenbergstraße einzustellen und den Bereich zu verlassen".