Man sollte sich genau überlegen, ob und aus welchen Gründen man vor Gericht zieht. Mehr als ein Kläger hat nämlich dort Dinge erfahren, auf deren Kenntnis er gerne verzichtet hätte. So auch in diesem kuriosen Fall: In Bonn war ein wütender Zahnarzt nämlich gemeinsam mit seiner Gattin vor den Kadi marschiert. Er prozessierte gegen einen Malermeister – und lernte dabei gänzlich andere Seiten seiner Ehefrau kennen …

Die Arbeit, so die Kläger, sei mangelhaft ausgeführt, die Wände schlampig bemalt und fleckig, die Böden durch Farbspritzer verdreckt. Der 46-jährige Malermeister hatte eine verblüffende Antwort, woran diese mangelhafte Ausführung lag: Er habe in dem Haus nicht ein einziges Mal den Pinsel geschwungen. Eine in mehrfacher Hinsicht wahre Antwort, wie der Prozess offenbaren sollte. Denn der Maler führte aus, dass ihn die Frau des Zahnarztes bei seiner Ankunft mit Sekt, Lachshäppchen und einem eindeutig unmoralischen Angebot empfing.

Gericht überzeugt: Zahnarztfrau hat selbst gemalt

Augenscheinlich wollte die 56-jährige Dame die Pinselführung des Handwerkers am eigenen Leib erproben – doch der Maler zeigte sich höchst unwillig: Er kramte sein Handwerkszeug zusammen und zog von dannen. Er beteuerte vor Gericht, dass er am nächsten Tag zurückgekehrt sei, um den eigentlichen Malauftrag ordnungsgemäß zu vollenden – doch auf sein Klingeln habe niemand reagiert.

Die Zahnarztfrau hielt entgegen, sie hätte dem Maler weder Lachsröllchen noch eine Runde Matrazensport angeboten, sondern nur eine saubere Arbeit gewollt. Doch sowohl Amts- als auch Landgericht schenkten der Version des Handwerkers Glauben – Klage abgewiesen. Was den schlampigen Anstrich betrifft, so zog das Gericht eigene, einleuchtende Schlüsse: Aus Angst, die Situation mit dem unwilligen Maler klären zu müssen, griff die Dame wohl kurzerhand selbst zum Pinsel – ihr Mann befand sich zu dieser Zeit auf einem Wanderurlaub …

Quelle: bild.de