Es ist ein bekanntes Phänomen: Man geht mit Kumpels in die Kneipe, trifft dort eine Gruppe von Leuten aus dem Ausland. Einer eurer Freunde kann deren Muttersprache leidlich – und sorgt für den Kontakt. Ihr wisst, dass seine Beherrschung der ausländischen Sprache eigentlich nicht die beste ist – doch zur Überraschung aller seiner Freunde spricht er plötzlich beinahe perfektes Englisch oder Französisch und wirkt locker. Wie viele Leute, die besoffen sind, beherrscht er scheinbar die Fremdsprache wie durch Zauberhand perfekt. Doch woher kommt das?

Gegenüber der Seite Der Westen offenbarte der Diplom-Psychologe Sebastian Bartoschek, dass er das Phänomen auch aus seinem eigenen Bekanntenkreis kennt: „Wenn wir in Irish Pubs unterwegs sind, habe ich einen Freund, bei dem genau das der Fall ist“, so Bartoschek. Dem Experten zufolge haben die plötzlich brillanten Sprachkenntnisse aber keineswegs etwas mit auf wundersame Weise gesteigerten Kenntnissen zu tun, sondern vielmehr spielen dabei derAlkohol und soziale Faktoren eine Rolle.

Denn statt eines Gedächtnis-Boosts wirke sich der Konsum auf Gelassenheit und Selbstbewusstsein aus: Mit zunehmendem Blutalkoholgehalt lassen bekanntermaßen die Hemmungen des Trinkers nach, Entscheidungen werden weniger durchdacht und erfolgen intuitiver: „An der Stelle stößt man auf eine der wenigen positiven Eigenschaften von Alkohol“, fasst Bartoschek zusammen. Wer nüchtern ist, greift also oftmals weniger gerne auf eine Fremdsprache zurück, um sich vor den Muttersprachlern nicht zu blamieren – gelegentliche Fehler und schwächerer Ausdruck werden aber egal, wenn man betrunken ist.

Quelle: derwesten.de