Kranken- und Pflegeversicherung: Versicherten drohen Krankenkassenerhöhungen – Gefühlt wird alles teurer, immer höhere Abgaben sind zu leisten. Und nun droht Versicherten auch noch eine Erhöhung ihrer Krankenkassenbeiträge. Zumindest dann, wenn die Regierung diesbezüglich nicht handelt. Denn es müssen Milliardenlöcher gestopft werden, was Gesundheitsminister Karl Lauterbach vor eine riesige Aufgabe stellt.

Dies vor allem noch in diesem Jahr, denn bleibt es so, wie es derzeit ist, werden 2023 Versicherte für ihre Kranken- und Pflegeversicherung hunderte Euro mehr zahlen müssen. Prof. Günther Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik sagte gegenüber der „Bild“, dass aktuell bis zu 25 Milliarden Euro fehlen. Zuvor lag die Schätzung bei rund 17 Milliarden Euro, doch laut Neubauer waren zu diesem Zeitpunkt „[…] der Krieg in der Ukraine und die Folgen noch nicht eingepreist.“

Durchschnittsverdiener mit Beitragserhöhungen von 455,16 Euro

Verantwortlich dafür sind zum Beispiel große Ausgaben, die auf der Inflation gründen, wodurch Arztpraxen und Krankenhäuser wiederum höheren Einkaufspreisen ausgesetzt sind. Dies bei sinkenden eingezahlten Beiträgen. Auch bezüglich der sozialen Pflegeversicherung fehlt Geld. So soll das Finanzloch laut GKV-Spitzenverband bis zum Jahre 2024 7,3 Milliarden Euro betragen.

Die Gründe hierbei sind vier Milliarden Euro an Mehrkosten durch die Corona-Pandemie, aber auch 3,3 Milliarden, die durch wegfallende Beiträge von Versicherten auflaufen, die ihre Angehörigen selbst pflegen. GKV-Vize Gernot Kiefer gegenüber „Bild“: „Wenn der Bund diese Lücke nicht auffüllt, muss der Beitrag um 0,35 Punkte steigen.“ Das hieße bei einem Durchschnittsverdiener eine Beitragserhöhung von 455,16 Euro, bei Topverdienern 537,02 Euro – und dies alles netto.

DAK-Chef richtet Forderung an Karl Lauterbach

Nun forderte auch DAK-Chef Andreas Storm vom Gesundheitsminister, dass schnellstmöglich gehandelt werden muss. Storm sagte der „Bild“: „Lauterbach muss jetzt gemeinsam mit dem Bundesfinanzminister den 70 Millionen Versicherten die Frage beantworten, ob und wie er den drohenden Beitrags-Tsunami noch verhindern will.“

Storm zum von Lauterbach angekündigten Gesetzesentwurf bezüglich Beitragserhöhungen: „Auf diesen angekündigten Gesetzesentwurf warten wir jetzt bereits seit drei Monaten. Wenn er nicht vor der Sommerpause vorgelegt wird, reicht die Zeit nicht mehr aus bis zur Haushaltsaufstellung der Krankenkassen im Herbst. Dafür brauchen wir Planungssicherheit!“

Quelle: bild.de