Die Ansage der Regierung: Eine Impfpflicht soll es nicht geben. Dennoch wird in Deutschland diskutiert, ob Nachteile für Ungeimpfte gerechtfertigt seien – und ob es für Geimpfte Privilegien geben sollte. Im Zuge dieser Debatte meldete sich die Veranstaltungsbranche zu Wort. In deutlichen Worten brachte man Hoffnungen für Spätsommer und Herbst zum Ausdruck.

„Mehr als uns impfen lassen, können wir nicht tun. Die Menschen, die das getan haben, müssen sich nicht in Sippenhaft nehmen lassen“, so Jens Michow, der geschäftsführende Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, in dem Format „Bild Live“. In einem Gespräch Michows mit der „Welt“ sagte dieser:

Mehr als Frustration

„Wenn jeder ein Impfangebot bekommen hat“ und „das Infektionsrisiko bei Getesteten zu groß ist, müssen jedenfalls Veranstaltungen nur für Geimpfte und Genesene erlaubt werden.“ Demnach gebe es Michow zufolge „spätestens ab Ende September“ einzig „diesen Weg“. Der geschäftsführende Verbandspräsident betonte seine Aussage mit deutlicheren Worten:

„Wer sich weigert, geimpft zu werden, kann nicht erwarten, dass der Rest der Bevölkerung darunter leidet.“ Michow unterstrich gegenüber „Bild Live“:

„Ich bin langsam nicht nur frustriert, sondern habe auch kein Verständnis mehr dafür, dass wir nicht erfahren, welche Rahmenbedingungen vorliegen müssen. Ich will nicht wissen, ob im Oktober wieder Veranstaltungen stattfinden können, aber ich möchte wissen, was geschehen muss, damit wir wieder veranstalten können. Das sagt uns keiner.“

Unmissverständliches Fazit:

„Die Branche ist so was von am Ende, da helfen auch die vielen staatlichen Mittel nicht mehr.“ Und: Es müsse „möglich sein, eben für diejenigen, die den Schutz haben, auch Veranstaltungen durchzuführen, und zwar ohne Restriktionen. Ich betone immer wieder gerne, dass Veranstaltungen mit Abstandsregelungen für uns keine Veranstaltung sind, weil sie nicht wirtschaftlich sind und professionelle Veranstalter müssen auch Geld verdienen können und mit 100 Prozent Kosten und 25 Prozent Einnahmen lässt sich nur mal kein Geld verdienen.“

Sonderrechte für Geimpfte und Genesene, etwa beim Besuch von Veranstaltungen oder Restaurants, befürwortet auch Horst Seehofer. Der Bundesinnenminister hatte dies kürzlich erklärt. Winfried Kretschmann, Ministerpräsident Baden-Württembergs, betonte unlängst, er halte angesichts der Corona-Krise eine Impfpflicht zumindest für möglich:

Justizministerin erinnert Veranstalter

„Für alle Zeiten kann ich eine Impfpflicht nicht ausschließen“, so Kretschmann (Die Grünen). Weiter führte er aus: Gut könne es sein, „dass wir irgendwann gewisse Bereiche und Tätigkeiten nur noch für Geimpfte zulassen.“ Dass Restaurants in der Corona-Pandemie eine Option offensteht, nur für Geimpfte zu öffnen, daran erinnerte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht.

Gegenüber Zeitungen der Funke-Mediengruppe erläuterte die SPD-Politikerin: „Die Vertragsfreiheit ermöglicht privaten Anbietern wie Gastronomen eine weitgehend freie Gestaltung ihrer Angebote.“ Lambrecht hob überdies hervor: „Wer seinen Gästen einen besonderen Schutz anbieten will, kann deshalb auch Angebote machen, die sich nur an Geimpfte richten.“

Sie unterstrich abermals, gegen die Impfpflicht zu sein, betonte jedoch, dass die Allgemeinheit aus ihrer Sicht nicht mehr auf Dauer für die Kosten von Corona-Tests aufkommen müsse, nähmen Menschen ihre Impfangebote nicht wahr. Zudem mahnte die Bundesjustizministerin, dass sich getestete Menschen nicht in falscher Sicherheit wiegen sollten.

Quelle: bild.de