Frauen mögen der Meinung sein, dass wir Männer nicht besonders viel miteinander kommunizieren, doch das stimmt so nicht. Bei uns wirken ganz einfach andere uralte Mechanismen, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass wir gewisse signalgebende Körperteile nicht einfach so offen vor uns hertragen dürfen wie Frauen mitunter ihren Busen. Man stelle sich ein Dekolleté für den Penis vor.

Daher müssen wir uns anderweitig mit unseren Geschlechtsgenossen messen, was heutzutage im Wesentlichen über den Job stattfindet. Je mehr Gehalt, desto mehr Macht, Autos, Häuser, Frauen und so weiter. Und deshalb ist die Arbeit unter Männern auch Gesprächsthema Nummer eins. Es könnte ja sein, dass man sich durch einen Wissensvorsprung in eine vorteilhaftere Position bringt, was dem tief in uns verwurzelten Konkurrenzdenken entspricht.

Buchautor und Psychotherapeut Wilfried Wieck dazu: „Immer der Beste sein zu wollen, ist die Folge unserer patriarchalischen Erziehung. Der Mann wird traditionell zum Gewinner herangezüchtet.“

Har har, das hören wir gerne! Und deshalb neigen wir in Gesprächen auch dazu, maßlos zu übertreiben oder auch ganz einfach zu lügen. Alles, was wir haben, wird am Stammtisch doppelt so groß, laut und schnell. Mindestens.

Über Sex reden wir indes nicht so gerne miteinander, und wenn überhaupt, dann in Form von Witzen. Das Intimverhältnis zur Partnerin gilt als Tabuthema, eine Schwelle, die im stillschweigenden Einverständnis nicht überschritten wird. Interessanterweise gilt das nicht für vorübergehende Bekanntschaften, aber die kommen ja auch nicht zum Stammtisch und strafen unsere Worte Lügen.