Keine Pause, kein Essen: Hochzeitsfotografin löscht vor Wut alle Bilder – Wer mit seinem Gewissen hadert oder bei komplizierten Angelegenheiten nicht sicher ist, im Recht zu sein, kann sich im Internet ein breit gestreutes Meinungsbild einholen. So zum Beispiel im Reddit-Forum „Am I the Asshole“; zu Deutsch: „Bin ich das Arschloch?“ Eine Antwort auf diese Frage suchend, richtete sich dort kürzlich eine Amateur-Fotografin an die Community: Sie hatte ausnahmslos alle Bilder der Hochzeitsfeier eines Freundes willentlich gelöscht. Aus gutem Grund, wie das Gros der User befand.

Wie die Nutzerin „Icy-Reserve6995“ in dem Forum schreibt, sei sie eigentlich eine Hundefriseurin, die dann und wann Tierfotos in sozialen Netzwerken postet.

Das reichte einem Freund offenbar als Referenz, bat er sie doch darum, anlässlich seiner Hochzeit als Fotografin zu fungieren, um diesen besonderen Tag in Bildern festzuhalten. Viel Lohn würde dabei nicht rumkommen, dessen war sie sich bewusst, da das Brautpaar Geld sparen wollte.

„Ich stimmte zu, für 250 US-Dollar zu fotografieren, was für ein 10-Stunden-Event letztlich nichts ist.“

Icy-Reserve6995 schildert daraufhin ihren vielbeschäftigten Tag als Fotografin: Sie sei der Braut zu ihren verschiedenen Terminen hinterhergefahren, um unterwegs Bilder zu machen, habe dann die Zeremonie fotografiert und sich beim Empfang knipsend unter die Gäste gemischt.

„Ich fing um 11 Uhr an und sollte gegen 19:30 Uhr fertig sein.“

Als dann schließlich gegen 17 Uhr das Essen serviert wurde, hieß es, sie dürfe nichts essen, da sie fotografieren müsse. Tatsächlich hatte man ihr nicht einmal einen Platz an einem Tisch reserviert. Erschwerend kam hinzu, dass es an dem Veranstaltungsort in einem Veteranenheim bei um die 40 Grad nicht einmal eine Klimaanlage gab.

„Ich wurde müde und bereute es zu diesem Zeitpunkt, diesen Job für nichts und wieder nichts überhaupt gemacht zu haben.“

Doch es sollte noch dicker kommen: Als sie dem Bräutigam zu verstehen gab, dass sie eine zwanzigminütige Pause brauche, um etwas zu essen und zu trinken – eine offene Bar, um sich Getränke zu bestellen gab es nicht – erwiderte dieser, dass sie entweder ihren Job als Fotografin machen könne, oder die Feier ohne Bezahlung zu verlassen habe.

Damit war das Maß voll:

„Bei der Hitze, dem Hunger und der allgemeinen Verärgerung über die Umstände fragte ich ihn, ob er sich sicher sei, und er sagte ja. Also löschte ich vor seinen Augen alle Fotos, die ich gemacht hatte, und ging mit den Worten, ich sei nicht mehr sein Fotograf.“

Wie sie weiter erklärte, hätte sie zu diesem Zeitpunkt ihr eigentlich vereinbartes Gehalt von 250 Dollar nur für ein kaltes Glas Wasser und einen Platz gegeben, um fünf Minuten sitzen zu können.

„War ich das Arschloch?“ fragt Icy-Reserve6995 schließlich. Doch die Community stellt sich in dem mittlerweile geschlossenen Beitrag mit zustimmenden Worten mehrheitlich hinter sie.

Quelle: focus.de