Es gibt zig düstere Zukunftsvisionen, die thematisieren, dass eines Tages nicht mehr Regierungen die Macht innehaben, sondern gigantische Firmen. Wer weiß, vielleicht sind wir wirklich irgendwann nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Bewohner von Sony oder Microsoft. Wundern würde es uns nicht, schließlich leben Menschen immer mehr für ihren Job. Das sieht man schon daran, dass immer mehr Überstunden geleistet werden.

Einer offiziellen Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge, haben deutsche Arbeitnehmer im vergangenen Jahr etwa 1813 Millionen Stunden außerhalb ihrer normalen Jobzeiten gearbeitet und damit gut ein Prozent mehr als 2014. Traurig daran ist, dass mehr als die Hälfte der Überstunden unbezahlt ist.

In konkreten Zahlen bedeutet dies, dass im letzten Jahr 816,2 Millionen bezahlte und 997,1 Millionen unbezahlte Überstunden anfielen. 2014 waren es noch 797,7 Millionen entlohnte und 993,4 Millionen nicht entlohnte Überstunden gewesen. Damit war der prozentuale Anstieg bei den unbezahlten Überstunden zwar geringer als bei bezahlten Überstunden, was freilich nichts am Aufwärtstrend in der Anzahl ändert.

Diese Zahlen entsprechen den Ergebnissen einer anderen Studie, welche kürzlich aufgezeigt hatte, dass immer mehr deutsche Arbeitnehmer sogar freiwillig auf Urlaub verzichten, um stattdessen arbeiten zu gehen. Demnach lassen Befragte ihren Urlaub besonders oft verfallen, wenn sie Sorge um den Verlust ihres Jobs haben.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, äußerte gegenüber der Saarbrücker Zeitung, dass Überstunden ein Spiegelbild von Arbeitsverdichtung und zunehmendem Stress seien.
Deutschland würde ein wahres Jobwunder erleben, wenn die Unternehmen, statt Überstunden zu verlangen, Stellen einrichten würden.