Schräg! Auf der einen Seite lechzen Arbeitnehmer nach mehr Freizeit und auf der anderen Seite verzichtet jeder Dritte freiwillig auf Urlaub. Das ergab eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Und das Schlimme daran ist, dass es meist genau diejenigen betrifft, die eine Auszeit am dringendsten nötig hätten.

Es ist ein paradoxer Zusammenhang: Wer besonders viel arbeitet und Erholung entsprechend besonders nötig hätte, nimmt die verdiente Auszeit weniger in Anspruch als andere. Denn je länger die wöchentliche Arbeitszeit, desto häufiger wird laut Studie auf Urlaub verzichtet. Tatsächlich hat jeder zweite Arbeitnehmer, der 48 Stunden oder mehr arbeitet, Urlaubstage schlicht verfallen lassen. Auch Überstunden konnten mit dem Verzicht in einen Zusammenhang gebracht werden. Denn auch hier hat sich gezeigt, dass jeder zweite Arbeitnehmer, der mehr als zehn Überstunden pro Woche leistet, der Umfrage zufolge auf Urlaubstage verzichtet. In Falle einer Arbeitszeit von bis zu 20 Stunden pro Woche und einem leeren Überstundenkonto betraf dies dagegen nur jeden vierten Arbeitnehmer.

Laut Studie passen sich Menschen mit dem freiwilligen Verzicht einer gegebenen "Überlastungssituation" an.
Der Urlaubsverzicht – vor allem im Kontext hoher Arbeits(zeit-)Belastungen – stellt eine besondere Form der Entgrenzung von Arbeit und Freizeit dar. Die Arbeitszeit wird über das vereinbarte Maß hinaus verlängert, um Ziele erreichen und Arbeitsvorgaben bewältigen zu können.

Besonders bedenklich ist auch der Faktor Angst. 44 Prozent der Befragten gaben die Sorge, den Job zu verlieren, als Grund dafür an, auf Urlaub verzichtet zu haben. Das Geschlecht der Arbeitnehmer spielt dabei offenbar keine Rolle, wohl aber die Branche, in der man tätig ist. In Reinigungsberufen lassen demnach besonders viele Arbeitnehmer Urlaubstage verfallen (47 Prozent). In Dienstleistungsbereichen wie Werbung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus dagegen verzichten die wenigsten Arbeitnehmer auf ihre freien Tage (20 Prozent).

Amelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied, mahnt mit Blick auf die Ergebnisse:
Arbeit darf nicht auf die Knochen der Beschäftigten gehen! Der Arbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass die Beschäftigten in seinem Betrieb oder in der Verwaltung ihren Urlaub auch nehmen können. Gerade bei großem Arbeitsdruck ist die Erholung im Urlaub noch wichtiger, um gesund zu bleiben.

Und damit hat sie absolut recht. Sollte der Chef das Wohl seiner Mitarbeiter jedoch aus den Augen verlieren, ist es letztlich an jedem Selbst, sein Recht auf Urlaub einzufordern. Auch der Autor dieser Zeilen musste gerade feststellen, dass sich da einiges an verdienter Freizeit angesammelt hat, weshalb er augenblicklich …