Der Deutsche an sich gilt globalen Klischees zufolge als äußerst fleißiges Bienchen. Pünktlich sollen wir sein, organisiert und sehr genau! Mit Blick auf die brummende Wirtschaft mag da sogar etwas dran sein, doch es stellt sich auch die Frage, ob diese Eigenschaften einem tiefverwurzelten kollektiven Landescharakter entspringen, oder am Ende bloß den äußeren Umständen geschuldet sind.

Immerhin ist es schon bezeichnend, dass es heutzutage normal ist, dass beide Ehepartner arbeiten gehen müssen, um den nötigen Lebensunterhalt zu verdienen, dass Ganztagsschulen sich an Eltern statt den ganzen Tag um die Kinder kümmern und das Rentenalter steigt und steigt. Sind wir am Ende doch bloß Sklaven unserer Jobs?

Von nichts kommt nichts und jeder ist ersetzbar! So pessimistisch das klingen mag, gehen viele mit genau dieser Prämisse im Hinterkopf an ihre Arbeit heran, getrieben von der steten Angst, diese zu verlieren. Ein Ehrgeiz des Fleißes, der seine Blüten trägt, wie eine neue Publikation der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) in Zahlen aufzeigt.

Der Statistik zufolge arbeitet mit 24,6 Prozent nämlich bereits rund jeder Vierte deutsche Arbeitnehmer ständig oder regelmäßig in den Abendstunden. Regelmäßig am Samstag zu schuften, ist ebenfalls keine Ausnahme. Das macht im Schnitt mehr als jeder Fünfte (23,7 Prozent). Deutlich weniger verbreitet sind Schichtarbeit (15,5 Prozent), Sonn- und Feiertagsarbeit (13,8 Prozent) sowie Nachtarbeit (9,4 Prozent).