Sind die Tage der 35-Stunden-Woche für deutsche Arbeitnehmer und Unternehmen gezählt? Zumindest, wenn es nach der IG Metall geht – zum ersten Mal seit 20 Jahren nach der Einführung der 35-Stunden-Woche möchte die Gewerkschaft kürzere Arbeitszeiten auf den Tisch bringen und durchsetzen, wenn auch zeitlich befristet.

Die IG Metall möchte in den Tarifverhandlungen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie nicht nur sechs Prozent mehr Gehalt erstreiten, sondern darüber hinaus eine Option für alle Beschäftigten, ihre Wochenarbeitszeit für die Dauer von zwei Jahren auf 28 Stunden senken zu können. Eltern junger Kinder, pflegende Familienangehörige sowie Schichtarbeiter sollen überdies Ausgleichszahlungen in unterschiedlicher Höhe bekommen. Diese Forderungsempfehlung wurde vom Vorstand der IG Metall beschlossen.

Arbeitgeber wg. Fachkräftemangels dagegen

Eine finale Entscheidung über die Forderung soll in zwei Wochen bei den regionalen Tarifkommissionen erfolgen – die Erfahrung zeigt, dass diese in der Regel nicht mehr von der Vorstandsempfehlung abschwenken. Die Arbeitgeber haben auf diese Ankündigung reagiert und erklärt, dass sie der Arbeitszeitverkürzung angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland ablehnend gegenüberstehen.

Laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin arbeiten Vollzeitbeschäftigte im Schnitt 43,5 Stunden die Woche – immerhin 4,9 Stunden über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus. Mehr als die Hälfte aller Vollzeitkräfte sind dabei zwischen 40 und 47 Wochenstunden tätig, Teilzeitkräfte im Schnitt 23,1 Stunden. Fast 75 Prozent der Teilzeitkräfte arbeiten in sogenannter „langer Teilzeit“ und setzen dabei zwischen 20 und 34 Wochenstunden um.

Quelle: bild.de