Wer lange genug im Internet surft, stolpert unweigerlich über Katzenvideos. Dabei gibt es eine besondere Subkategorie: Katze trifft Gurke. Aus irgendeinem bizarren Grund scheinen Katzenpanische Angst vor Gurken zu haben. Und ihre Besitzer dokumentieren das gerne. Aber was steckt hinter dem Phänomen?

Immer das gleiche Katzenschreck-Schema

Fast alle Videos zeigen das Gleiche: Eine Katze frisst nichts ahnend aus ihrem Napf. Unbemerkt nährt sich der Katzenbesitzer dem Tier von hinten und legt eine stinknormale Gurke hinter den Vierbeiner. Das Gemüse bleibt außer Sichtweite, bis die Katze fertiggegessen hat. Erst als das Tier sich umdreht und die Gurke erblickt, folgt eine teils drastische Reaktion: Mit aufgestelltem Nackenhaar und Katzenbuckel setzt die Katze zum Sprung in die Sicherheit an und katapultiert sich anderthalb Meter weit weg vom Gemüse. Warum fürchten Samtpfoten das grüne Gewächs so?

Die Katzen-Gurken-Theorie

Laut Dennis Turner, Katzenforscher am Schweizer Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie, ist der Überraschungseffekt die Ursache für die krasse Reaktion. Schließlich merken die Katzen nichts davon, dass die Gurken hinter ihnen platziert werden und können im ersten Moment nicht einschätzen, worum es sich handelt. Zusätzlich könnte aber auch das Aussehen des Gemüses eine Rolle spielen, denn Form und Farbe wirken ansatzweise reptilartig. Auch heutige Katzenkönnten genetisch noch auf die Furcht vor Schlangen programmiert sein, spekulieren einige. Turner hält das nicht für wahrscheinlich und vermutet, dass sich die Gurken-Reaktion auch durch andere unbekannte Gegenstände auslösen lassen würde, wenn diese unbemerkt hinter dem Tier abgelegt würden.

Eigene Katzen nicht mit Gurken erschrecken

Experten warnen davor, das Experiment an den eigenen Haustieren auszuprobieren. Sensible Vierbeiner könnten dadurch ein langfristiges Trauma davontragen und sogar aufhören zu essen oder den angestammten Fressplatz scheuen. Schließlich sind Katzen es gewohnt, dass sie am Napf in Ruhe fressen können und ihnen dort keine Gefahr droht. Es spricht allerdings nichts dagegen sich die bereits vorhandenen Videos im Internet anzusehen - Schadenfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

Jochen Becker