Aller Aufklärung zum Trotz wirken psychologisch tief verwurzelte, oft verdeckte oder unbewusste Denkmuster.

Hinzu kommt, dass die soziale Prägung bei Jungen bereits in ihrer frühen Kindheit dazu führt, Schmerzen oder Probleme eher zu ignorieren. Ein Stereotyp, welches durch die soziale und mediale Umwelt verstärkt wird.

Das Profil eines Mannes wird in etwa folgendermaßen aus der körperlichen Beschaffenheit abgeleitet: Körpergröße = Stärke = Potenz = Männlichkeit. Und genau das wirkt sich negativ auf den Umgang mit gesundheitlichen Problemen aus.

Laut einer Umfrage haben ganze 84 Prozent der Männer Angst davor, in Sachen Potenz zu versagen. Dabei ist diese Angst unbegründet: Zwar betrifft das Problem jeden fünften Mann, es lässt sich jedoch auch gut behandeln. Zudem ist es ratsam, bereits bei den ersten Anzeichen einen Arzt zu konsultieren, um zukünftige Krankheitsbilder früh erkennen und gleichzeitig die Behandlung einleiten zu können.

Zudem hat sich gezeigt, dass die erektile Dysfunktion ein erstes Anzeichen für eine chronische Herzerkrankung bei Männern sein kann.

Mit dem Gang zum Arzt tut man den ersten Schritt, die Scham zu überwinden. Nochmal: Erektile Dysfunktion stellt ein wiederkehrendes, häufiges und ernstzunehmendes gesundheitliches Problem dar, von dem jeder Mann betroffen sein kann. Deshalb darf die Erkrankung nicht mit einem bestimmten Maß an Männlichkeit oder Stärke gleichgesetzt werden.

Da auch Versagensängste und Stress eine große Rolle spielen, kann ein Gespräch mit dem Partner Spannungen lösen und verdeutlichen, dass Sex nicht mit Erwartungen einhergehen sollte. Da eine sexuelle Dysfunktion nicht nur den Mann, sondern auch das Paar betrifft, kann Schweigen außerdem zu einem Vertrauensverlust, mehr Stress und zu anhaltenden Beziehungsproblemen führen.

Also gilt es, das Schweigen zu brechen, und das Thema als gesundheitliches Problem in der Beziehung zu sehen, welches nicht an eine schwindende Libido gekoppelt ist.

Doch auch die Ärzte sind aufgefordert, das Thema der erektilen Dysfunktion offener, breiter und bereitwilliger zu kommunizieren.

Dr. Thieme erklärt dazu: „Problematisch ist, dass Erektionsstörungen und deren Ursachen in verschiedenen medizinischen Fachrichtungen zwar thematisiert sind, in vielen Fällen aber nur eine Randnotiz darstellen. Wenn ein Thema wie Erektionsstörungen ohnehin schambehaftet ist, wird so der Zugang zu einer systematischen Ab- und Aufklärung leider zusätzlich erschwert.

Ursachen für Erektionsstörungen sind nicht nur in der Urologie zu finden, auch wenn der erste und manchmal einzige Gang zum Urologen erfolgt. Wenn eine körperliche Ursache vermutet wird, lohnt es sich aber in jedem Fall, diese abzuklären, da eine angemessene Behandlung hier auch einem Fortschreiten der Erektionsstörung entgegenwirken kann.“

Quelle: zavamed.com