In Zeiten, in denen ganze Länder bankrottgehen und Politiker sich oder anderen mit den ihnen vom Volke anvertrauten Geldern lieber den Arsch abwischen, anstatt sie zum Wohle aller zu investieren, muss man sich nicht wundern, wenn Großkonzerne langsam aber sicher zu den besseren Vätern werden.

Beispiele, um diese These zu untermauern, gibt es genug: Nationen mögen wegen Glaubensfragen im Krieg liegen, und doch geht jeder im Apple-Tempel beten. Markenzeichen auf Klamotten werden mit mehr Stolz getragen als Flaggen, Facebook weiß mehr über uns als jeder Geheimdienst. Und wenn wir Fragen haben, wenden wir uns zuallererst an Google.

Letztgenannte Gesellschaft nimmt ihre Versorgerrolle dabei besonders ernst, und ist neuerdings nicht nur um unser digitales Wohl besorgt. Dem Time-Magazin war dies sogar eine Titelstory wert: Can Google solve Death? – „Kann Google den Tod lösen?“

Dahinter steht die Finanzierung einer neugegründeten Firma namens 'Calico', deren erklärtes Ziel es ist, das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen, speziell in Hinblick auf das Älterwerden, zu verbessern. Um das zu erreichen, soll „das scheinbar Unmögliche gewagt werden“.

Das Time-Magazin deklariert: „That would be crazy – if it weren’t Google“, und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Mit Einnahmen von 54 Milliarden Dollar alleine im letzten Jahr kann sich der Konzern verrückte Ideen leisten, die sich vielleicht erst in zwanzig Jahren rechnen, während das Engagement unserer gewählten Volksvertreter eine Halbwertszeit von vier Jahren nicht zu überschreiten vermag.

Natürlich steckt im Erfolgsfall auch hinter Calico letztlich eine Lizenz zum Gelddrucken. Doch solange es der Menschheit dient, begrüßen wir ein solch gewagtes Projekt – welches im Englischen bildhaft als ‚Moon Shot‘ bezeichnet wird – zunächst einmal mit vorsichtigem Optimismus.

Im Sinne aller sei Calico somit viel Erfolg gewünscht! Und wer weiß: Vielleicht dürfen wir ja irgendwann auf unserem Stimmzettel Google anklicken.

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