Was waren das noch für Zeiten, als Tätowierungen als verrucht galten? Als alte Damen die Straßenseite wechselten, wenn ihnen jemand mit einem Totenkopf auf dem Arm entgegenkam. Heutzutage ist diese Form der Körperkunst allgemein anerkannt und hinsichtlich der Motivwahl schon längst diversen inflationären Modetrends zum Opfer gefallen. Aber was soll's? Denn zum einen tut es niemandem weh – also abgesehen vom Prozess des Stechens natürlich – und zum anderen stärkt häufiges Tätowieren sogar das Immunsystem.

Was zunächst seltsam klingt, ist tatsächlich das Ergebnis von Untersuchungen an der Alabama University. Im Zuge ihrer Studie wollten die Forscher von knapp 30 Teilnehmern zunächst wissen, wie oft und wann sie gestochen wurden. Im nächsten Schritt wurden dann Speichelproben entnommen, und zwar jeweils vor und nach einer weiteren oder auch der ersten Tätowiersession.

Dabei zeigte sich, dass Erstgestochene einen geringeren Spiegel von Immunglobulin aufwiesen, als diejenigen, die bereits oft beim Tätowierer waren. Ein Effekt, der auf die sogenannte immunsuppressive Wirkung von Cortisol zurückgeführt wird. Ein Hormon, welches den Stress beim Tätowieren mindert. Doch wir wollen hier nicht allzu fachlich werden.

Fakt ist: Besagtes Immunglobulin bildet unsere Verteidigung gegen einige der häufigsten Infektionen, wie beispielsweise Erkältungen. Und das bedeutet weiterhin, dass sich das Immunsystem mit jeder neuen Tätowierung immer mehr stärkt.

Dabei schwächt eine Tätowierung aufgrund der Stressbelastung des Körpers unsere Abwehrkräfte zunächst und kann dazu führen, dass wir uns schneller erkälten. Nach einiger Zeit jedoch fährt der Organismus wieder in seinen Normalzustand zurück. Wenn wir uns jetzt immer wieder neue Tätowierungen stechen lassen, steht unser Körper quasi unter einer Art Dauerstress, wodurch er dann sozusagen seine inneren Sollwerte höher stellt. Tja, und das führt eben dazu, dass unsere Abwehrkräfte und unser Immunsystem stärker werden.

Die Forscher vergleichen diesen Prozess mit dem Trainieren eines Muskels: Die Betroffenen führen ihre Übungen durch, was zunächst dazu führt, dass ihre Muskeln anfangs schmerzen. Wenn sie dann aber weiter trainieren, werden die Schmerzen immer geringer und verschwinden irgendwann komplett. Zusätzlich wachsen die Muskeln und wir werden immer stärker.