Schau an, schau an, da wird aus einem „Wohlstandsbauch“ plötzlich ein „Wohlfühlbauch“! Denn trotz seines tendenziell eher schlechten Rufs scheint so ein kleiner Rettungsring im Hüftbereich dem Körper ganz gut zu tun! Dänische Forscher behaupten nämlich, dass dicke Menschen länger leben als Schlanke. Aber kann das stimmen?

Der bisherige Stand war recht klar definiert: Dicksein ist ungesund! Zuviel Gewicht auf der Waage führt zu Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose (Arterienverkalkung), Fettstoffwechselstörungen, koronaren Herzkrankheiten wie Herzinfarkt bis hin zu bestimmten Krebserkrankungen. Drei von vier Betroffenen entwickeln solche Folgekrankheiten.

Eine Studie der University of California in Los Angeles brachte allerdings schon vor einiger Zeit ans Licht, dass übergewichtige Menschen nicht zwangsläufig ungesünder leben und dass der Body-Mass-Index (BMI) nicht als Maßstab für unsere Gesundheit angesetzt werden sollte. Das Ergebnis der eingangs erwähnten Wissenschaftler bläst nun in das gleiche Horn.

Für die im Fachmagazin Journal of American Medical Association (JAMA) veröffentlichte Untersuchung wurden Daten von mehr als 100.000 Menschen in Dänemark ausgewertet. Der Fokus lag auf der Sterblichkeitsrate, wobei man verschiedene Gesundheitsrisiken wie beispielsweise Tabakkonsum berücksichtigte. Warum nun aber Übergewichtige eine geringere Sterblichkeit aufweisen als Normalgewichtige, sei laut Studienautor Børge G. Nordestgaard von der Kopenhagener Universitätsklinik nicht eindeutig geklärt.

Der optimale BMI im Wandel der Zeit!
In den 1970er Jahren wiesen Übergewichtige noch eine höhere Sterblichkeit auf, leben seit den 2000er Jahren aber genau so lange wie schlanke Menschen. Interessant dabei ist, wie nach und nach der optimale BMI steigt.

Zur Erklärung: Das Normalgewicht wird anhand des Body-Mass-Index (BMI) bestimmt. Ab einem BMI von 30 spricht man von Adipositas (Fettleibigkeit). Das wären bei einer Körpergröße von 1,70 Meter 86,5 Kilogramm. Der BMI lässt sich berechnen, indem man das Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Bei einem BMI zwischen 25 und 30 gilt eine Person als übergewichtig und ab 30 als fettleibig (adipös).

Während nun Menschen in den 1970er Jahren mit einem BMI von 23,7 (das entspricht einem Gewicht von 78 Kilogramm bei einer Größe von 1,83) am längsten lebten, lag der optimale Wert Anfang der 90er bei 24,6. Also fünf Kilo bei gleicher Körpergröße mehr. 2003 bis 2013 legte der optimale BMI sogar auf 27 zu, was bei einer Körpergröße von 1,83 gut 90 Kilogramm entspricht – also ganze zwölf Kilogramm mehr als in den 1970ern.

Nordestgaard sagt dazu:
„Wenn dieser Befund in anderen Studien bestätigt wird, würde dies darauf hindeuten, dass die WHO ihre derzeit geltenden Definitionen für Übergewicht, die auf Daten aus der Zeit vor den 1990er Jahren basieren, überarbeiten müsse.“

Allerdings bedeute dies nicht, dass Menschen nun nicht mehr auf ihre Ernährung achten müssen, warnt der Wissenschaftler. Denn die Sterblichkeitsrate steigt bei extremer Fettleibigkeit nach wie vor enorm an!