Gerichtsurteil: Wer Boarding-Time verpasst, hat keinen Anspruch auf Flug – Wie das Amtsgericht München kürzlich entschieden hat, verfällt der Anspruch Reisender auf einen Flug, wenn diese zu spät ans Gate kommen. Das gilt auch, wenn das Flugzeug noch dasteht und mit Verspätung abhebt. Damit wies das Gericht die Klage einer Frau gegen einen Reiseveranstalter aus München ab.

Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten wollte sie im März 2019 eine Pauschalreise antreten, und dazu von Frankfurt nach Ägypten fliegen.

Mit der Begründung, dass das Boarding bereits beendet sei, ließ man sie am Gate jedoch nicht mehr in den Flieger einsteigen. Nach Angaben des Gerichts war die Boarding-Time auf den Tickets mit 16.55 Uhr und der Start mit 17.25 Uhr angegeben.

Das Paar buchte daraufhin einen neuen Flug und forderte anschließend eine Erstattung der Kosten vonseiten des Reiseunternehmens. Nach Meinung der Klägerin hätte die Fluggesellschaft sie am Gate nicht zurückweisen dürfen.

Das sah die zuständige Richterin jedoch anders.

Wie es heißt, seien die Reisenden erst um 17.14 Uhr am Gate erscheinen, und damit weniger als zwölf Minuten vor dem geplanten Abflug. Wie das Gericht erklärte, sei „eine Ankunft 18 Minuten nach angegebener Boarding-Time nicht mehr rechtzeitig“.

Die Richterin urteilte: „Die Reisenden wussten, dass Boarding Time um 16.55 Uhr war, eine Mindest-Boarding-Time ist dabei nicht geschuldet.“

Und weiter: „Es steht der jeweiligen Airline frei, den Schluss des Boardings entsprechend ihren Abläufen und den noch zu tätigenden Vorbereitungsmaßnahmen selbst zu bestimmen.“

Von daher müsse ein Zustieg in den Flieger, bis zu dem Zeitpunkt, an dem er das Gate tatsächlich verlässt, nicht gewährleistet sein.

Aus dem rechtskräftigen Urteil ergeht: „Dass es in Ausnahmefällen auch nach Schließung der Flugzeugtüren noch zur Aufnahme von Fluggästen kommt, steht dem nicht entgegen.“

Allerdings sei dies eine Ausnahmeregelung, denn: „Würde ein genereller Anspruch bestehen, wäre eine erhebliche Störung des Flugverkehrs zu erwarten.“