Normalerweise droht den meisten Arbeitnehmern bei sexueller Belästigung die Entlassung. Ein jetzt verkündetes Urteil lässt diesbezüglich aber einige Fragen offen. In Erfurt wurde am Bundesarbeitsgericht jetzt die fristlose Kündigung eines Kfz-Mechanikers für ungültig erklärt. Dieser hatte einer Reinigungskraft im Juli 2012 in einem Waschraum zuerst gesagt, sie habe einen schönen Busen, im Anschluss hat er der Frau dann an die Brust gefasst. Infolgedessen sagte die Frau, dass sie das nicht wolle. Der Mann verließ daraufhin den Raum und wurde vier Tage darauf in einem Personalgespräch auf die Tat angesprochen. Er bereute das Geschehene und schämte sich. Noch am gleichen Tag folgte die Kündigung.

Der Mechaniker entschuldigte sich schriftlich bei der Frau und zahlte ein Schmerzensgeld als Täter-Opfer-Ausgleich. Die Betroffene nahm an und verzichtete auf eine weitere Strafverfolgung, weshalb man die Ermittlung einstellte. Gegen die Entlassung ging der Kfz-Mechaniker allerdings vor. Seine Begründung: Er war davon ausgegangen, dass die Frau vor der Tat mit ihm flirtete. Der anschließende Grapscher sei ein Versehen gewesen. Der Arbeitgeber argumentierte hingegen, dass erst durch die Androhung der Kündigung Reuegefühle bei dem Mann aufkamen.

Nach mehreren Verhandlungen landete der Fall schließlich beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Dieses erklärte die fristlose Kündigung für ungültig und begründete das Urteil damit, dass neben der Schwere des Vorfalls auch darauf zu achten sei, ob der Mitarbeiter zuvor auffällig war. Auch die Länge des Beschäftigungsverhältnisses und die Gefahr einer Wiederholung der Straftat müsse der Arbeitgeber betrachten. Konkret hieße das für diesen Fall: der Arbeiter hat die Würde der Reinigungsfrau und seine arbeitsvertraglichen Pflichten verletzt, eine Abmahnung hätte aber gereicht.

Der Mechaniker habe seinen Fehler zugegeben und Reue gezeigt, obwohl er die Tat auch hätte abstreiten können. Zudem bestehe keine Wiederholungsgefahr. In einem ähnlichen Fall entschied das Bundesarbeitsgericht gegen einen Arbeitnehmer. Er hatte einer Kollegin einen Klaps auf den Hintern gegeben und eine Abmahnung erhalten. Ein halbes Jahr später belästigte er dieselbe Kollegin verbal und wurde daraufhin, laut Gericht, zu Recht entlassen.

Die jetzige Entscheidung des Gerichts ist aber dennoch etwas fragwürdig, da sich potenzielle Grapscher durch dieses Urteil bestärkt fühlen könnten.