Es mag eine Zeit gegeben haben, da wehte noch eine frische Brise Pioniergeist durch das Internet, die den verheißungsvollen Duft dessen mit sich trug, welche Möglichkeiten das seinerzeit noch junge Medium uns noch offenbaren mochte. Heutzutage stinkt es eher nach Ejakulat und den verbalen Fürzen einer ganzen Armee von Trollen. Das mag vielleicht etwas überspitzt formuliert sein, und doch ist es kein Geheimnis, dass die Beleidigungs-Kultur auf dem digitalen Nährboden sozialer Netzwerke so prächtig gedeiht, dass sich die Äste unter der Last fauler Früchte förmlich biegen. Ein Unkraut, dem nur schwer beizukommen ist, doch ein aktueller Fall hat gezeigt, dass es durchaus Grenzen gibt.

Dieser wurde vor dem Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg verhandelt, nachdem ein Mann gegen seine fristlose Kündigung geklagt hatte. Dieser war zuvor wegen eines Arbeitsunfalles krankgeschrieben und hatte dies mit Verweis auf seine Verletzungen auf Facebook öffentlich kundgetan. Soweit alles noch normal, entwickelte sich im Laufe der üblichen Netz-Debatten jedoch eine gewisse Dynamik, welche den Arbeitnehmer dazu veranlasste, seinen Chef in einem Kommentar als „fettes Schwein“ zu bezeichnen. Zwar war das Schwein als Emoticon dargestellt, doch als der verunglimpfte Arbeitgeber davor erfuhr, schmiss er den Mann ohne zu zögern raus.

Letzten Endes entschieden die Richter zugunsten des Arbeitnehmers, was nun aber nicht als Freifahrtschein verstanden werden darf. Denn im besagten Fall wurde dem Kerl zugutegehalten, dass ihm die Tragweite seines Tuns nicht bewusst gewesen und er davon ausgegangen sei, dass die verwendeten Spitznamen der Chefs nicht allgemeinverständlich waren. Außerdem blicke der Mann auf 16 unproblematische Jahre in der Firma zurück, sei zu 20 Prozent behindert und habe dazu auch noch ein Kind und eine demenzkranke Großmutter zu versorgen. Insofern wurde die Kündigung als nicht verhältnismäßig eingestuft. Dennoch betonten die Richter, dass Beleidigungen dieser Art – auch in Form von Emoticons – grundsätzlich eine Abmahnung oder sogar eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Seid also vorsichtig, was ihr postet. Erst recht, wenn ihr krankgeschrieben seid!

Quelle: sueddeutsche.de