Gericht verurteilt Kiosk-Besitzer: Weil er sich zu spät gegen Angreifer wehrte – Im November 2019 kam es in einem Spandauer Spätkauf zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Kunden und dem Betreiber. Dabei ging es zunächst bloß um ein kaputtes Handydisplay, welches der Ladenbesitzer Necmettin Cengiz zuvor für den Mann repariert hatte. Als dieses erneut zerbrach verweigerte Cengiz eine Kostenerstattung, solange dieser keine Quittung zu sehen bekäme, woraufhin die Situation eskalierte.

Der seinerzeit 30-jährige Kunde schlug Cengiz in den Magen

Laut „Bild“ erklärte er: „Ich bin auf die Knie gefallen, war benommen und musste mich sammeln. Ich habe keine Luft bekommen“. Kein Wunder, handelte es sich bei dem Angreifer doch um einen bereits vorbestraften Kampfsportler.

Es vergingen acht Sekunden, bis Cengiz schließlich zu einem Tischbein griff und damit seinerseits auf den Angreifer einschlug. Vor Gericht sagte der dreifache Vater später aus: „Er wollte einfach nicht gehen. Hätte ich einen Notausgang gehabt, wäre ich weggelaufen. Ich sah aber keinen anderen Ausweg.“

Die Richterin war jedoch anderer Meinung

Mit Blick auf das Überwachungsvideo war aus ihrer Sicht keine Notwehr ersichtlich. Necmettin habe schlicht zu lange für seinen Gegenschlag gebraucht. Dessen Anwalt dazu: „Straffrei sind solche Reaktionen auch, wenn aus Verwirrung, Furcht und Schrecken gehandelt wird.“

Cengiz beteuerte, das er „Todesangst“ gehabt habe, doch die Richterin wollte ihm keinen Glauben schenken. Während der Angreifer freigesprochen wurde, bekam der Späti-Mann wegen schwerer Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung aufgebrummt.

Fassungslos und den Tränen nahe äußerte Cengiz nach dem Urteil: „Ich wollte nur Gerechtigkeit.“

Quelle: bild.de