Wegen geschlechtlicher Ungleichheit: Studentin entwirft genderneutrales Kartenspiel – Beim Kartenspiel ist der König bekanntermaßen mehr wert als die Dame. Ein Umstand, der aus Sicht einer jungen Psychologiestudentin aus den Niederlanden nicht mehr zeitgemäß ist, weshalb diese kurzerhand ein genderneutrales Kartenspiel entwarf. Doch nicht jeder ist von dieser Idee begeistert.

Ins Grübeln kam Indy Mellink, als ihr kleiner Cousin ihr beim Kartenspielen die Frage stellte, weshalb der König über der Dame stehe. In Ermangelung einer Antwort entschied sie, dass es an der Zeit sei „mit der jahrhundertealten Tradition der geschlechtlichen Ungleichheit in Spielkartendecks zu brechen, die Männer über Frauen stellen.“

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Reuters“ erklärt sie weiter: „Wenn wir diese Hierarchie haben, dass der König mehr wert ist als die Königin, dann beeinflusst diese subtile Ungleichheit die Menschen in ihrem täglichen Leben, weil es nur eine andere Art ist, zu sagen 'Hey, du bist weniger wichtig'. Selbst subtile Ungleichheiten wie diese spielen eine große Rolle.“

Also gestaltete sie ein Kartenspiel ohne Geschlechter, bei dem Bube, Dame und König durch Bronzeschild, Silbermünzen und Goldbarren ersetzt werden, und ließ mehrere dieser Decks anfertigen. Die ersten gingen an Freunde und Familie, mittlerweile kann man das genderneutrale Kartenspiel aber auch online erwerben.

In nur wenigen Monaten konnte Indy gut 1.500 Decks verkaufen und sogar Spieleläden haben, wie sie sagt, bereits Interesse bekundet.

Zuspruch erhält Indy unter anderem von Berit van Dobbenburgh, der Leiterin des niederländischen Bridgeverbandes, wenn auch mit einem Aber: „Es wäre kompliziert, eine formale Umstellung vorzunehmen, weil das eine Aktualisierung der Regeln erfordern würde. Ich frage mich, ob es das wert ist. Aber Geschlechtsneutralität, ich bin voll dafür! Es ist toll, dass jemand in diesem Alter dies bemerkt hat. Es ist die neue Generation.“

Doch die Idee ruft auch Kritiker auf den Plan, wie zum Beispiel den britischen TV-Moderator Piers Morgen, der den Reuters-Beitrag auf Twitter mit „Oh FFS“ (For Fuck’s Sake) kommentierte, was in etwa „Verdammt nochmal“ bedeutet.

Sein Kommentar erntete viel Zuspruch, viele stimmen ihm zu und beurteilen das Ganze als „Lächerlich“, andere merken an, dass Indy dann auch gleich ein neues Schach-Set entwerfen sollte, bei dem die Dame weniger mächtig ist. Andere wiederum zucken bloß mit den Schultern und plädieren für mehr Toleranz.

Quelle: stern.de