Das Thema gendergerechter Sprache wird heiß diskutiert. Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover hat sich in der Debatte nun ganz offiziell positioniert: Die Amtssprache der Stadt soll fortan auf geschlechtsneutralen Begriffen fußen. Obschon es in Hannovers Rathaus gerade eine Krise gibt, weil gegen Oberbürgermeister Stefan Schostock (SPD) und zwei seiner Kollegen wegen Untreueverdachts ermittelt wird, wagt die Stadt nun diesen Vorstoß.

In einer Presseerklärung wurde bekanntgegeben, dass Stand jetzt sämtliche Broschüren, Briefe, E-Mails, Formulare, Flyer und Presseartikel in „geschlechtergerechter Verwaltungssprache“ aufgesetzt werden. Heißt: Begriffe, die bisher eindeutig männlich oder weiblich positioniert waren, werden auf eine Weise angepasst, die beiden Geschlechtern gerecht werden soll.

Lehrer werden zu Lehrenden; aus den Wählern macht man Wählende und Teilnehmer zu Personen. Das macht auch vor feststehenden Begriffen wie dem Rednerpult nicht halt, das in Hannovers offiziellem Schriftverkehr von nun an Redepult genannt wird. Die neuen Regeln gelten für die 11.000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Der Oberbürgermeister bezeichnet Vielfalt als Hannovers Stärke und den Schritt als „wichtiges Signal“, Menschen geschlechtsunabhängig anzusprechen.

Liebe Kolleg*innen

Sei keine entsprechende Formulierung zu finden, dürfe auch das Gender-Sternchen benutzt werden. Etwa beim Wort „Dezernent*innenkonferenz“. Der „Gender-Star“ komme in solchen Situationen als „sprachliches Darstellungsmittel aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten“ zum Einsatz. Mit der neuen Sprachregelung zielt Hannovers Stadtverwaltung darauf ab, die Ansprüche des Bundesverfassungsgerichts zu erfüllen.

Das hatte 2017 verfügt, dass ein drittes Geschlecht ins Geburtenregister aufgenommen werden muss – erst im Dezember 2018 war vom Bundestag die dritte Option „divers“ für Geschlechterangaben beschlossen worden. In Hannover werden somit nun offizielle Schreiben zukünftig wohl statt mit „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ mit „Liebe Kolleg*innen“ beginnen.

Andere Kontexte lassen naturgemäß nichts anderes zu als „Sehr geehrte Damen und Herren“ – noch. Denn die im Kern stehende Empfehlung des hannoverschen Gleichstellungsreferats lautet, bisher genutzte männliche Nomen nach Möglichkeit stets zu vermeiden. Damit muss der „Protokollführer“ (in der gedruckten Form) gehen und wird ab jetzt durch „Das Protokoll führt“ ersetzt. Aus der „Stimmberechtigten“ wird „Das stimmberechtigte Mitglied“.

Herr und Frau müssen gehen

Arbeitnehmer sind nun Beschäftigte, Erziehungsberechtigte werden zu erziehungsberechtigten Personen, das Wählerverzeichnis zum Wählendenverzeichnis. Auch die Bezeichnungen Herr oder Frau werden aus den offiziellen Listen der Stadtverwaltung verbannt, diese seien „in der Regel überflüssig“, wenn es darum gehe, eine „geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ zu nutzen. Zumindest, solange Vor- und Nachnamen vorhanden sind.

Quelle: welt.de