Beim Thema Impf-Verweigerung versteht man in Italien keinen Spaß, das Land hat seine Gesetze zu dem Thema drastisch verschärft. Seit Montag sind Eltern verpflichtet, der Regierung gegenüber einen schriftlichen Nachweis zu erbringen, dass ihr Nachwuchs geimpft ist. Etwa gegen viele Infektionskrankheiten wie Keuchhusten, Kinderlähmung, Masern, Mumps und Feuchtblattern. 

Damit ist nach langem politischen Tauziehen eine gesetzliche Regelung mit empfindlichen Strafen in Kraft getreten. Eltern, die den Nachweis nicht erbringen, müssen bis zu 500 Euro Strafe zahlen. Doch diese Maßregelung bildet nur den Anfang: Jungen Kindern unter Sechs, für die kein Impfnachweis erbracht wird, kann der Zugang zu Kita/Krippe und Kindergarten verweigert werden. Ansteckungsgefahr.

Lediglich ältere Kinder können nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden

„Keine Impfung, keine Schule“, so das Motto von Gesundheitsministerin Giulia Grillo. Das Gesetz war bereits im Juli 2017 beschlossen worden und trat am 11. März 2019 in Kraft. „So hat jeder Zeit gehabt, das [Impfen] nachzuholen“, betont Grillo. Ursprünglich hatte das Gesetz die Funktion, die unter 80 Prozent gesunkenen Impfraten bei Masern zu bekämpfen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent ratsam.

Italien birgt momentan das drittgrößte Risiko in ganz Europa, sich mit den Masern anzustecken – nur in Frankreich und Griechenland liegt es noch höher. Durch die Impfpflicht sinkt die Zahl der Erkrankungen gegenüber dem Folgejahr nachweislich. Das Thema wird in Italien politisch noch immer heiß diskutiert, die beiden Regierungskräfte in Rom, Fünf-Sterne-Bewegung und rechte Lega, wollen die Impfpflicht wieder abschaffen.

Einheitlich durchgesetzt wird sie in dem Land nicht, unterschiedliche Regionen Italiens handhaben die Verstöße auf unterschiedliche Weise – während es in Südtirol schon Fristen für nichtimpfende Eltern gibt, haben die Erziehungsberechtigten von 300 Kindern in Bologna bereits Suspendierungsbriefe erhalten.

Quelle: kurier.at