Barkeeper Dan Saunders dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als ihm zum ersten Mal klar wurde, dass ein Geldautomat ihm zwar jede Menge Scheine in die Hand spuckte, aber nichts von der abgehobenen Summe von seinem Konto abzog. Zumindest optisch. Eigentlich hatte er sich zum Automaten begeben, weil seine Karte bei einem feuchtfröhlichen Abend mit Freunden abgelehnt worden war. Keine Deckung.

Also rannte er zur Bank, wohl wissend, dass nur noch 3 britische Pfund (etwa 3,34 Euro) auf seinem Konto waren. Er holte trotzdem 100 ab – und bekam sie. Und zwar ohne, dass sein Kontostand ins Minus rutschte. Also probierte er es noch einmal. Irgendwann stellte er fest, dass bei Abhebungen zwischen 0 und 1:00 Uhr morgens so viel Geld aus dem Automaten kam, wie er nur wollte, ohne dass sich an seinem Kontostand etwas tat. Kein Limit für den Dispo.

Privatmaschinen und Escort-Girls

Also verschaffte sich Saunders kurzerhand im Laufe von vier Monaten über 1.000.000 Pfund (umgerechnet: 1,1 Million Euro). Die haute er für Hotels, Anzüge von Hugo Boss und erstklassige Escort-Damen heraus. Doch Saunders dachte nicht nur an sich: Er bezahlte die Studienkredite seine Freunde. Gegenüber der britischen Sun offenbarte er: „Per Knopfdruck Hunderter abheben zu können, machte süchtig – als wäre ich ein Höhlenmensch, der das Feuer entdeckt hatte.“

Natürlich war ihm klar, dass selbst ein nicht angezeigtes Limit immer noch Konsequenzen haben würde. Doch diese nahm er in Kauf – musste aber mehr und mehr Geheimnisse vor seiner Familie bewahren. Einmal hob er 50.000 ab, um mit seinen Freunden eine Privatmaschine mit 20 Sitzen zu chartern und auf eine Insel bei Bali zu fliegen:

„Ich konnte nicht genau sagen, wo es war, aber ich brauchte keinen Pass, um dorthin zu gelangen. Wir waren etwa drei Stunden lang in der Luft, das Flugzeug war voller Leute. Eine Mischung aus alten Freunden und neuen Gesichtern. Wir mieteten das ganze Resort, die Überwasser-Villen und aßen und tranken.“ So ging es wochenlang: „Ich zückte für alles das Scheckbuch – die Leute verrieten mir ihre Träume – und ich erfüllte sie.“

„Ich erwachte in einem Pool voll Schweiß…“

Krasse Urlaube, Poolpartys mit Wildfremden, Dan schöpfte aus den Vollen. Irgendwann begann sein Gewissen, dem Barkeeper Albträume zu bereiten. Er fing das Glücksspiel an, in der Hoffnung, genug zu gewinnen, um alles zurückzahlen zu können. Innerlich ging er zugrunde:

Ich erinnere mich, dass ich verschwitzt in einem Hotelpool aufwachte, bis mir klar wurde, dass es nur ein Traum war. Da klingelte es an der Hoteltür. Ich dachte mir: 'Das war's jetzt, ich bin erledigt. Sie kommen, um mich zu holen!', was eigentlich eine Erleichterung gewesen wäre – aber es war nur das Dienstmädchen, das fragte, ob ich frische Handtücher möchte", so Dan. Die Schuldgefühle wurden zu viel und so stellte sich Saunders freiwillig seiner Bank.

„Böser Dan“

Drei Jahre später stand er wegen 111 Fällen von Betrug und Diebstahl vor Gericht. Doch das Glück blieb Dan treu: „Der Gerichtsfall war bizarr, weil niemand wirklich verstand, was ich eigentlich getan hatte: Nicht der Richter, nicht der Staatsanwalt, es war schräg. Es gab viele leere Blicke; die Bank lieferte minimale Beweise, so dass es wirklich nur ein Fall von 'böser Dan' blieb und das war's … Fall geschlossen. Ich lehnte mich zurück, plädierte auf schuldig und ließ alles geschehen.“

Saunders kam mit gerade mal einem Jahr Haft davon. Er wurde im Mai 2016 entlassen und arbeitet heute wieder als Barmann. So kann es gehen im Leben.

Quelle: ladbible.com