Wegen eines folgenschweren Zufalls: Häftling tötet Vergewaltiger seiner Schwester – Es gibt Geschichten des wahren Lebens, die in einem Film als unglaubwürdig gelten würden. So wohl auch die Folgende, bei der ein Zufall dazu führte, dass ein Häftling im US-Staat Washington sich die Zelle ausgerechnet mit dem Vergewaltiger seiner Schwester teilte. Was daraufhin passierte, ist allerdings weit weniger unvorhersehbar.

Der 70 Jahre alte Robert Munger war wegen Kindesmissbrauch und dem Besitz von kinderpornografischem Material zu einer 43-jährigen Haftstrafe verurteilt worden

2020 traf er dann auf seinen neuen Zellengenossen Shane Goldsby, dem er immer wieder von seinen Taten erzählte. Goldsby hörte offenbar sehr genau hin, denn irgendwann war sich der 26-Jährige sicher, dass es sich bei Munger um den Mann handelte, der seine Schwester vergewaltigt hatte.

Shane sah rot und tötete Munger

Aus dem Polizeibericht geht hervor, dass er Munger von hinten niederschlug, um dann wiederholt auf dessen Kopf einzutreten. Munger wurde dabei so schwer verletzt, dass er das Krankenhaus nicht mehr verlassen sollte.

Shane bekannte sich vor Gericht schuldig und wurde wegen Totschlags zu 25 Jahren Haft verurteilt. Allerdings wurde seine bereits verbüßte Haftzeit darauf angerechnet, so dass Shane nun noch für 24 Jahre einsitzt. Außerdem muss er der Familie des Toten eine Entschädigung zahlen, über deren Höhe noch zu entscheiden sein wird.

„Ich schäme mich für meine Taten. Ich befand mich in einer Lage, die ich niemandem wünsche“, hieß es in einem Statement, welches Shanes Anwalt im Zuge der Verhandlung in dessen Namen verlas.

„Ich muss vieles wiedergutmachen.“

In einem Interview ergänzte Goldsby, dass Munger ihm die grausigen Taten detailliert geschildert und seine Wut damit immer weiter angefacht hatte.

Nun steht die Frage im Raum, ob der Mord hätte verhindert werden können, da normalerweise Regularien dafür sorgen, dass Täter und Opfer, beziehungsweise deren Angehörige, im Gefängnis nicht aufeinandertreffen.

Der „Washington Post“ zufolge glaubt Goldsby, dass man ihn absichtlich mit Munger in eine Zelle gesteckt habe, da er die Polizei „blamiert“ hatte, als er den Beamten bei einer Verfolgungsjagd entkommen war.

Shanes Anträge, die Zelle zu wechseln, waren abgelehnt worden

Eine anberaumte Untersuchung ergab jedoch, dass alles vorschriftsmäßig abgelaufen sei. Aus den entsprechenden Dokumenten waren „keine Hinweise“ auf die Verbindung der beiden Männer hervorgegangen, so dass die Verantwortlichen in der Justizvollzugsanstalt wenig hätten tun können, um die Eskalation zu verhindern.

Goldsby und seine Schwester teilten sich außerdem nicht den gleichen Nachnamen, so dass die Umstände, welche zu dem Mord geführt hatten, erst danach auffielen.

Quelle: stern.de