Sparen macht aktuell absolut keinen Spaß! Wenn ihr einen Blick auf euer Tagesgeldkonto oder Sparbuch werft, dürften sich angesichts der Minizinsen Zornesfalten auf der Stirn bilden. Doch aufgepasst: Obwohl es momentan wirklich lohnender erscheint, das eigene Geld für Unterhaltungselektronik, den eigenen Wagen oder eine schöne Reise auszugeben, ist und bleibt Vorsorge sehr wichtig. Doch warum sind wir eigentlich gezwungen, unbedingt für später vorzusorgen? Ein kleiner Überblick soll hier etwas mehr Licht ins Dunkel bringen.

Die Rentenlücke ist kein Witz – wer will im Alter an Armut leiden?

Viele Experten und Politiker sprechen immer wieder davon, aber keiner kann sie ganz genau beziffern. Die Rede ist von der Rentenlücke, die genau den Betrag darstellt, der uns durch die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus fehlen wird. Dieser Betrag ist von Person zu Person unterschiedlich und muss deshalb individuell ermittelt werden. Doch natürlich ist es trotzdem wichtig, zumindest Anhaltspunkte über das Ausmaß des Geldmangels im Alter bei rein gesetzlicher Rente zu bekommen.

In einer Studie der Ruhr-Universität Bochum wurde errechnet, dass dem sogenannten „Standardrentner“ (45 Jahre Einzahlung in die Rentenkasse) unter dem Strich fast 650 Euro im Monat fehlen, um auf 87% seines alten Nettoeinkommens zu kommen. Auch wenn dies nur eine Standard-Rechnung ist und die Rentenlücke im Einzelfall andere Daten zutage fördert, dürfte dies ein großer Fingerzeig in Richtung privater Altersvorsorge sein. Die persönliche Rentenlücke lässt sich beim Fondsverband BVI mit einem entsprechenden Rechner zumindest näherungsweise feststellen.

Wie lässt sich die Rentenlücke im Alter schließen?

Sollte der Rentenrechner für euch beispielsweise eine Rentenlücke von 350 Euro aufweisen, müsst ihr folgenden Kapitalstock bilden:

Monatslücke – 350 Euro
Jahreslücke – 4.200 Euro
Renteneinstiegsalter – 67 Jahre
Stat. Lebenserwartung  (Männer) – 74 Jahre
Sicherheitszuschlag – 11 Jahre
Rentenzahlungszeit – 18 Jahre
gesamte Rentenlücke – 75.600 Euro

(Tabelle 1: Kapitalstock für Rentenlücke, Berechnung ist lediglich beispielhaft und kann im Einzelfall variieren)

Wenn ihr bereits im Alter von 30 Jahren anfangt, gegen die Rentenlücke anzusparen, müsst ihr euch je nach Rendite eurer Geldanlage auf folgende Sparraten einstellen:

Rendite    –    monatl. Sparbetrag
2,00% p.a.  –  115,34 Euro
3,00% p.a.  –  93,68 Euro
3,50% p.a.  –  84,17 Euro
4,00% p.a.  –  75,47 Euro
5,00% p.a.  –  60,36 Euro
7,00% p.a.  –  37,86 Euro
10,00% p.a.  –  18,11 Euro

(Tabelle 2: Sparbetrag gegen Rentenlücke bei verschiedenen Renditen, Anfangsalter: 30 Jahre)
 
Verhältnismäßig sichere Geldanlagen liegen aktuell eher im Renditebereich von 2-3% p.a., so dass ihr im Moment mit Sparbeträgen kalkulieren müsst, die um die 100 Euro pro Monat liegen. Solltet ihr hingegen den 30. Geburtstag schon einige Zeit hinter euch haben und ihr beginnt erst im Alter von 42 Jahren mit der Vorsorge, sieht das Ganze deutlich drastischer aus:

Rendite    –   monatl. Sparbetrag
2,00% p.a.  –  194,58 Euro
3,00% p.a.  –  170,03 Euro
3,50% p.a.  –  158,74 Euro
4,00% p.a.  – 148,07 Euro
5,00% p.a.  – 128,52 Euro
7,00% p.a. –  95,97 Euro
10,00% p.a. –  60,77 Euro

(Tabelle 3: Sparbetrag gegen Rentenlücke bei verschiedenen Renditen, Anfangsalter: 42 Jahre)

Bei späterem Beginn steigen die Sparbeträge deutlich an. Das Gleiche gilt natürlich bei einer höheren Rentenlücke. Darüber hinaus solltet ihr in diesem Fall bedenken, dass ihr euch lediglich bis zum Alter von 85 Jahren die höhere Rentenzahlung sichert. Wer für ein höheres Alter vorsorgen möchte, muss entsprechend mehr sparen. Ansonsten gibt es danach wieder die rein gesetzliche Zahlung.

Wie sollte die eigene Anlagestrategie fürs Alter aussehen?

In punkto Altersvorsorge existiert nicht der eine Königsweg ins Ziel, sondern es bieten sich viele verschiedene Optionen. In einem Ratgeber auf Verivox.de wird jedoch dringend empfohlen, zuerst Darlehensschulden abzubezahlen. Diese fallen normalerweise fast immer höher aus als die Rendite von Geldanlagen. Gerade deshalb lässt sich durch eine schnelle Tilgung unter dem Strich viel Geld einsparen. Abgesehen davon haben sich die folgenden beiden Arten der privaten Altersvorsorge bewährt:

1. Sparprodukte mit Riester-Förderung
Als Angestellte habt ihr mit der Riester-Rente tatsächlich sehr gute Karten. Dies liegt vor allem an den recht hohen Zulagen:

  • 154 Euro jährlich pro Person
  • 185 Euro pro Kind (vor 2008 geboren)
  • 300 Euro jährlich pro Kind (nach 2008 geboren)

Familienväter mit mehreren Kindern können dabei also besonders stark punkten und die tatsächliche Rendite ihrer privaten Altersvorsorge erheblich erhöhen. Da sich die Ausgaben für die Riester-Rente zudem steuerlich bis zu einem Betrag von 2.100 Euro pro Jahr (Höchstfördergrenze) zusätzlich als Sonderausgaben abziehen lassen, ergeben sich zusätzlich Steuervorteile. Ferner ist das angesparte Produkt bei einer plötzlichen Arbeitslosigkeit und ALG II-Bezug vor Zugriffen des Staates geschützt. Auf der Seite der Nachteile stehen die nach wie vor sehr starren Bedingungen für Riester-Sparprodukte und die begrenzte Anzahl an möglichen Anlageformen:

  • Kapitallebensversicherungen weisen lediglich noch einen Garantiezins von 1,25% auf und die Beteiligung an Bewertungsreserven wurde ebenfalls gesenkt. Außerdem fallen nach wie vor recht hohe Kosten an, auch wenn diese über die ersten 5 Jahre verteilt werden müssen.

  • Banksparpläne sind zwar sicher, bringen angesichts des momentan geringen Zinsniveaus jedoch von sich aus nur sehr mangelhafte Renditen mit sich.

  • Fondssparpläne sind sehr interessant, jedoch sollte mit zunehmendem Alter der Aktienanteil sinken, da kurzfristige Schwankungen nicht mehr ausgeglichen werden können. Durch den stetig gleichen Einzahlungsbetrag profitiert ihr zudem vom Durchschnittskosten-Effekt, da bei hohen Kursen weniger Anteile und bei niedrigen Kursen mehr Anteile gekauft werden.

  • Alle Riester-Sparprodukte müssen laut Gesetz gewisse Vorgaben einhalten. Dazu gehört die Tatsache, dass zum Rentenbeginn (frühestens ab 62. Jahren) nur maximal 30% des angesparten Kapitals als einmalige Auszahlung erfolgen dürfen. Der Rest muss in Form eines regelmäßigen Auszahlungsplans oder einer lebenslangen Rente ausgezahlt werden.

2. Ein Eigenheim zur späteren Altersvorsorge
Mit einem Eigenheim habt ihr die Möglichkeit, später die Mietzahlungen zu sparen und könnt im Notfall die Immobilie verkaufen, um zusätzliche Liquidität zu generieren. Diese Form der Altersvorsorge ist etwas anders strukturiert, da hierbei nicht das Sparen, sondern die Tilgung der Baufinanzierung im Vordergrund steht. Mittlerweile lässt sich der Bau eines Eigenheims auf verschiedene Arten und Weisen durch Fördermittel günstiger gestalten:

  • Mit der Einführung von Wohnriester besteht die Möglichkeit, die Tilgungen zur Baufinanzierung als Sparraten im Sinne der Riester-Rente durch Zulagen fördern zu lassen. Dies sorgt für deutlich geringere Kosten, bringt aber auch recht starre Vorgaben in Bezug auf die Nutzung und einen späteren Verkauf mit sich.

  • Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zudem verschiedene staatliche Förderprogramme an, mit denen sich Zuschüsse und vergünstigte Darlehen bei energieeffizienter Bauweise beantragen lassen.

Die Altersvorsorge am besten mit einem Anlagemix angehen

Wer für das Alter vorsorgen möchte, sollte niemals alles auf eine Karte setzen. So können die Riester-Rente oder auch das Eigenheim zwar große Bausteine darstellen, aber es lohnt sich immer, auch noch Alternativen und Ergänzungen im Blick zu behalten:

  • Eine Notreserve auf einem Tagesgeldkonto oder Sparbuch ist stets verfügbar und kann für wichtige Ersatzanschaffungen genutzt werden.

  • Ihr kennt euch mit der Börse ein bisschen aus? Warum nicht einen begrenzten Teil für ein Aktieninvestment nutzen? Gerade auf lange Sicht gleichen sich Kursschwankungen aus und es können überdurchschnittliche Renditen erzielt werden.

Mit diesen Ergänzungen lässt sich der eigene Anlagemix finden und ihr könnt sinnvoll für das Alter vorsorgen. Natürlich ist es dabei trotzdem wichtig, das „Hier und Jetzt“ nicht aus den Augen zu verlieren. Demnach sollte es niemand mit der Vorsorge übertreiben, denn das Leben ist grundsätzlich zu kurz, um den Blick einzig und allein Richtung Zukunft zu wenden. Wenn ihr eine gute Balance zwischen Vorsorge und Genuss im Leben findet, könnt ihr entspannt in die Zukunft blicken.