Morgens 9.30 Uhr, die Sonne hat das Zelt auf Siedetemperatur gebracht. Man kriecht verstrahlt und verkatert von der letzten Nacht aus seinem Lager. Um den Brand zu stillen, geht der Griff Richtung Wurstwasser. Im Anschluss werden die Reste kalter Ravioli aus dem Rasen gepult - der Hunger treibt jetzt alles rein. Willkommen auf dem härtesten Pflaster der Welt: dem Musikfestival. An dem Ort, wo aus Jungen echte Männer werden, bedarf es jedoch der 5 goldenen Regeln. Befolgt sie, sonst nimmt das Abenteuer Festival kein gutes Ende!

Regel Nr. 1: Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Um ordentlich die Sau rauszulassen, braucht man vor allem eines: Flüssignahrung. Am beliebtesten ist natürlich Bier und das am besten palettenweise in Dosen. Alternativ auch Weinschorle in Tetrapacks oder Plastikflaschen befüllt mit einer selbstgemachten Mischung aus Schnaps und O-Saft - Kopfschmerzgarantie inklusive. Feste Nahrung wird auch benötigt, weshalb man auf einen Gaskocher und Wegwerfgrill nicht verzichten sollte. Fleisch, Dosenfutter aller Art, Toast sowie Remoulade dürfen beiläufig nicht fehlen. Wichtig ist zudem noch das Bargeld, schließlich müssen auf dem Festivalgelände die Getränkedealer bezahlt werden, um den Pegel noch weiter in die Höhe zu treiben.

Regel Nr. 2: Gehöre immer zu den Ersten

Die Basis für einen ordentlichen Festival-Exzess wird bereits auf dem Camping-Gelände gelegt. Dort muss das Revier abgesteckt und potenzielle Platzbesetzer vertrieben werden. Dazu reist man am besten einen Tag vor dem Start mit einer ganzen Truppe an, um Präsenz und Stärke zu zeigen. Vergesst zudem euren Generator nicht, schließlich will das Dosenbier gut gekühlt sein und die Musikanlage rotieren. Zeltet dabei nie in unmittelbarer Nähe der mobilen Toiletten! Die Gefahr ist hoch, eines Morgens in einer Suppe aus Urin und Kot aufzuwachen, die nicht dem eigenen Körper entflossen sind. Das liegt dann üblicherweise an den Dixi-Umstoß-Wettbewerben anderer Besucher.

Regel Nr. 3: Örtchen aus Plastik sollst du meiden

Die Kunststoff-Hölle auf Erden, auch Dixi-Klo genannt. Diese Bauten aus den Tiefen der Unhygiene stehen allerorts herum und erschrecken mehr als sie erleichtern. Wir Männer haben den sagenhaften Vorteil, beim Pinkeln überall den Stau ablassen zu können. Aber wenn das große Geschäft ruft, besucht man lieber eine der Bezahltoiletten oder seilt gleich in der Wildnis ab. Seinen Allerwertesten auf ein Dixi-Klo zu setzen, das nach spätestens drei Stunden der Benutzung einem Biotop an Fäkalien, Bakterien und Viren gleicht, sollte man sich aber nicht mal mit 3 Promille antun.

Regel Nr. 4: Achte beim Sex auf deine Nachbarn

Ein Festival mitsamt seinem riesigen Zeltplatz-Areal ist mit Sicherheit eine der größten Flirtbörsen von Hamburg bis nach München. Und wo geflirtet, gesoffen und gefeiert wird, da wird auch ordentlich Beischlaf praktiziert. Wer gewillt ist seine Körperflüssigkeiten auszutauschen, sollte neben Kondomen auch an seine Zeltnachbarn denken. Denn die Urschreie rauben den Alkoholleichen und Kampftrinkern den wohlverdienten Schlaf. Denkt dran: Ihr seid nicht allein!

Regel Nr. 5: Lass dich niemals ahnungslos fotografieren, NIE!

Ein wahres Fest, zusammen mit seinen Freunden zu guter Musik die Partys des Jahres zu feiern. Die meisten verwandeln sich währenddessen zu absonderlichen Gestalten, die in Zombie-Walk-Manier wankend und lallend über den Zeltplatz als auch das Festivalgelände flanieren. Doch Vorsicht! In dieser geistigen wie körperlichen Schieflage ist man auch direkt Opfer der unzähligen Geräte, die einen in den bescheidensten Situationen und Posen ablichten. Geknippst und gefilmt wird dabei alles, was nicht bei drei im Zelt verschwunden ist - von mit Edding bemalten Bierleichen bis hin zu Absturztrinkern, die bewusstlos am Wegesrand von der Sonne gegrillt werden. Aber hey, du wolltest doch bestimmt schon immer Youtube-Star werden, oder?

Kurze Nächte, Partys, Dixi-Höllen, Waschphobie, Fast Food, exzessiver Alkoholgenuss, Kopfschmerzen, Aspirin, Frauen und Musik bis zum Sonnenaufgang. Ja, ein Festival und vor allem das dazugehörige Camping sind kein Kindergeburtstag. Trotzdem: Die Orte an denen Sodom & Gomorrah hausen, sind die Hotspots eines jeden Sommers. Und das ist auch gut so! In diesem Sinne, Prost!

Foto: Brendan Howard / Shutterstock.com