Faszinierende Aufnahmen: Drohne segelt in Hurrikan der Kategorie 4 – „Saildrone 1045“. Segeldrohne 1045. Ein unspektakulärer Name für eine Maschine, die der Unwetterforschung unlängst einen wichtigen Dienst erwies. Denn das semiautonome, hochseetaugliche Fahrzeug gehört zu einer ganzen Flotte von wissenschaftlichen Drohnen, welche von den Tropen bis zu den Polen unterwegs sind, um Stürme zu erforschen. Spektakuläre Bilder gelangen dabei aus dem Hurrikan „Sam“ – einem Sturm der Kategorie 4 mit Wellenbergen.

Wie „Gizmodo“ berichtet, blieb dieses Unwetter für den Großteil seiner Existenz auf hoher See, touchierte aber etwa die Bermudas. Darauf brauchten die Meteorologen allerdings nicht erst zu warten: Sie lenkten „Saildrone 1045“ im späten September 2021 mitten in eine sogenannte „rasche Intensivierung“ auf dem Ozean.

Eine Bedingung für diesen meteorologischen Zustandswandel:

Binnen 24 Stunden muss ein Sturm dabei seine Böen um mindestens 56 km/h im Vergleich zum Zeitraum davor verstärken. Das war bei „Sam“ der Fall. Die Expertenteams lenkten ihre Segeldrohne direkt in das Unwettergeschehen, um herauszufinden, warum – es war das erste Mal, dass so etwas versucht wurde. Chidong Zhang, Direktor der Division Ozeanische Klimaforschung des staatlichen Pacific Marine Environmental Lab der USA in einer Mitteilung:

„Ich sagte allen, ‘Falls dieses Fahrzeug einen Hurrikan überlebt, wäre das eine riesige Erfolgsgeschichte.’ Die gesamte Mission übertraf meine Erwartungen.“ Das Team berichtete, dass der Drohne einmalige Aufnahmen gelangen, sie erklomm 15 Meter hohe Wellenberge und stürzte von diesen wieder herab, wobei sie sich mehrfach überschlug und ebenso oft kenterte. Dennoch überstand das Fahrzeug das Unwetter, kämpfte sich immer wieder in Kiellage und lieferte faszinierende Aufnahmen sowie die benötigten Daten für die Experten.

Was die Teams an Land erfuhren, schockierte sie:

Wie diese laut Experten einmaligen Daten offenbarten, „klebte“ der „Fuß“ des Hurrikans förmlich an einer hartnäckigen Warmwasserfläche auf der Oberfläche des tobenden Meeres. Deren Effekte stärkten das Unwetter demnach: Normalerweise ziehen Hurrikans kaltes Wasser aus der Meerestiefe an die Oberfläche, was durch Abkühlung der tropischen Luftturbulenzen verhindert, dass es zur raschen Intensivierung kommt. Eigentlich.

Die Experten konnten einen Verantwortlichen dafür ausmachen, dass es bei „Sam“ anders war: Weniger salziges Wasser aus dem Amazonas, welches den Warmwasser-See regelrecht stabilisierte und durch seine geringere Dichte wie ein Topfdeckel auf dem Ozean fungierte. Die Schicht vereitelte, dass sich „Sam“ gewissermaßen abkühlen konnte. Mit Bojen und Unterwasserdrohnen konnten diese Ergebnisse aus mehreren Quellen bestätigt werden. Mitverantwortlich nach Meinung der Experten: der Klimawandel.

Greg Foltz, Physiker und Meereskundler des staatlichen Atlantic Oceanic and Meteorological Laboratory in einer Mitteilung:

„Ich sehe es so, dass [die globale Erwärmung] die maximale Intensität, die ein Hurrikan erreichen kann, erhöht. Es geht nicht darum, dass jeder Hurrikan an Intensität zunimmt, sondern darum, dass ein Hurrikan, der normalerweise eine Windstärke von 242 km/h erreichen würde, unter den richtigen Bedingungen eine Geschwindigkeit von 258 km/h erreichen kann. Das schafft das Potenzial für stärkere Stürme.“ [Meilenwerte redaktionell umgerechnet, d. Verf.]

Quelle: izmodo.com