Experten warnen vor „Todeszonen“: Schotter-Gärten sind eine Gefahr für die Umwelt – In den letzten Jahren hat der Trend zu Kies- und Schottergärten immer weiter zugenommen. Wo einst saftig grüne Pflanzenoasen Ruhe und Schatten spendeten, dominieren immer mehr graue Steinflächen deutsche Vorgärten. Mit fatalen Folgen – knallt die Sonne mal wieder ordentlich, heizen sich die Steinwüsten auf bis zu 60 Grad auf, die Pflanzen gehen bei diesen Temperaturen zugrunde, außerdem reichern sich Staub und Stickstoffoxid an.

Fachleute sprechen dabei sogar von „Todeszonen“.

Das Problem ist mittlerweile auch in der Politik angekommen – viele Gemeinden haben bereits mit entsprechenden Regelungen reagiert, um Raum für mehr Bäume, Sträucher, Stauden und Wiesenflächen zu sichern.

So beispielsweise auch die Stadt Mainz, wo man dank einer neuen Begrünungs- und Gestaltungssatzung mehr Pflanzen auf Dächer, an Fassaden und in die Gärten bringen möchte. Die örtliche Baudezernentin Marianne Grosse erklärte im Rahmen der Vorstellung der neuen Leitlinien, dass man den Schottergärten, die dazu beitragen, dass sich die Städte in den Sommermonaten übermäßig aufheizen, „gerne auf Wiedersehen sagen“ möchte.

Ab dem 1. Oktober wird die Satzung wirksam und alle neuen Bauvorhaben im gesamten Stadtgebiet umfassen. Zwar haben alte Gärten Bestandsschutz, Grosse hofft aber, dass die neuen Bauvorhaben eine Art Signalwirkung entfalten und dafür sorgen, dass der eine oder andere Schottergärtner umdenkt.

Umweltdezernentin Janina Steinkrüger ergänzt, dass über das Förderprogramm „Dach- und Fassadenbegrünung“ der Mainzer Stiftung für Klimaschutz Töpfe für die Finanzierung nachträglicher freiwilliger Begrünungen bestehender Gebäude bereitstehen.

Neben dem generellen Verbot von Kies und Schotter regelt die neue Satzung ferner:

  • Dass je angefangener 200-Quadratmeter-Grundstücksfläche, die nicht überbaut ist, mindestens ein Baum gepflanzt werden muss.
  • 15 Prozent des Baugrundstücks müssen mit Sträuchern bepflanzt werden.
  • Rasengittersteine oder flächige Abdeckungen mit Vlies oder Textilgeweben zählen nicht als Begrünung.
  • Künftig sollen zudem für zwei Stellflächen für Fahrzeuge ein Baum und für sechs Stellflächen zwei Bäume vorgesehen werden.
  • Flachdächer ab 15 Quadratmeter sollen extensiv begrünt werden.
  • Auch Fassaden ab einer zusammenhängenden Fläche von 20 Quadratmeter müssen begrünt werden.

Auch in anderen Städten hat man dem Schotter den Kampf angesagt.

So enthielten beispielsweise in Koblenz viele Bebauungspläne bereits Regelungen zur Begrünung von Dach- und Fassadenflächen. Zudem werde die zusätzliche Begrünung von Dächern über das „500-Dächer-Programm“ finanziell gefördert.

Stadtsprecher Thomas Knaak erklärt: „Es dient im Grundsatz dazu, durch Dämmung der Dachhaut oder der obersten Geschossdecke Energieverluste zu minimieren und damit den CO2-Ausstoß zu verringern.“

Weiterhin ist die Pflanzung von Bäumen in der Stadt vorgesehene, vorhandene Baumbeete sollen zum Schutz der Artenvielfalt und als Insektenweide geschützt und verbessert werden, was gegebenenfalls über Patenschaften von Anwohnern geregelt werden kann.

In Trier wiederum arbeiten derzeit drei Klimaschutzmanager an einem Schutzkonzept für eine grünere Stadt.

Dabei tut sich besonders ein Pilotprojekt hervor, im Rahmen dessen Bodenfeuchte-Sensoren die Feuchtigkeit unter Bäumen messen. Die dadurch gewonnenen Daten sollen eine zielgenauere Bewässerung ermöglichen.

Kaiserslautern hat kürzlich ebenfalls eine neue Grün- und Freiflächengestaltungssatzung beschlossen, die dem Unterbinden von „Fehlentwicklungen“ dienen soll, wie es vonseiten der Verwaltung der pfälzischen Kommune heißt. Schottergärten und Kunstrasen sind künftig nicht mehr zulässig.

Generell sind Kies-Gärten in Baden-Württemberg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt bereits verboten. Andere Bundesländer wollen nachziehen.

Während man sich um die Optik vielleicht noch streiten kann, ist der Sinn und Zweck eines Schottergartens, als vermeintlich kostengünstige und pflegeleichte Anlage, fraglich.

So kostet der Kies laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) mehrere hundert Euro pro Tonne und setzt außerdem schon bald Moos an, was die Pflege mühsam oder nur auf chemischen Wege möglich macht. Geht man mit Laubbläser und Hochdruckreiniger zu Werke, verbraucht man Strom, erzeugt Lärm und vertreibt oder tötet Insekten und andere kleine Tiere.

Zudem müsse man nach drei bis zehn Jahren mühsam die Fläche wieder abtragen, die Steine waschen, das Vlies unter dem Kies erneuern und die Steinschicht wieder auftragen.

Ein weiteres Problem ist, dass Regenwasser aufgrund des verdichteten Bodens im Kiesbeet nicht mehr richtig absickern kann und stattdessen in Keller und Kanalisation abfließt. Bei Überfüllung strömt es verdreckt in Flüsse und Bäche, anstatt gefiltert im Grundwasser zu landen.

Von daher erheben manche Kommunen je nach Versiegelung sogar bereits Gebühren für das abfließende Regenwasser.

Quelle: bild.de