Es soll ja Menschen geben, die nicht an die Evolution glauben, und das, obwohl sich allerorten Beweise für eben jene finden lassen. Gut, man muss etwas Geduld mitbringen, wenn man der Evolution bei der Arbeit zusehen möchte, was aber nicht heißt, dass sie nichts tut. Auf der hawaiianischen Insel Kauai stellten Forscher zum Beispiel unlängst fest, dass viele Männchen der Grillenart Teleogryllus oceanicus sich als Reaktion auf Feinde das Zirpen abgewöhnt haben. Und das auf zwei benachbarten Inseln – ohne Kontakt zueinander!

Das Problem der hawaiianischen Grillen ist Folgendes: Wenn die Biester den ganzen Tag ihre Flügel aneinander reiben, um mit dem dabei erzeigten Geräusch Weibchen anzulocken, wird dabei leider auch die parasitäre Fliege Ormia ochracea hellhörig. Dieser Schurke legt seine Eier nämlich ganz gerne auf den Grillen ab. Die daraus schlüpfenden Larven bohren sich daraufhin in das Insekt und töten es binnen einer Woche. Nicht schön so was, allerdings eine leicht zu umschiffende Klippe.

Zumindest wenn man in der Lage ist, seine Gene zu verändern, was bei den stummen Grillen der Fall ist, wie ein in internationales Forscherteam um Nathan Bailey von der britischen University of St. Andrews nachweisen konnte. Denn die stummen Grillen haben dank einer genetischen Mutation schlicht ihre Flügelform verändert. Interessanterweise wurde dieses Phänomen wenig später auch auf einer Nachbarinsel entdeckt. Allerdings wiesen die hiesigen Insekten noch mal eine andere Flügelform auf, woraus die Wissenschaftler schließen konnten, dass die Mutationen zwar fast gleichzeitig entstanden, aber unabhängig voneinander.

Leider hat die Sache einen Haken: Wie soll man als Grille ein Weibchen anlocken, wenn man nicht zirpt? Hier zeigt sich, dass die Natur durchaus opportunistisch sein kann. Denn die stummen Grillen halten sich ganz einfach in der Nähe ihrer immer noch zirpenden Artgenossen auf, und greifen sich die Weiber ab. Nicht besonders nett, wenn man bedenkt, dass die Kollegen, welche die ganze Arbeit machen, letztlich daran zugrunde gehen.

Na, merkt ihr was?! Aus diesem Blickwinkel betrachtet lassen sich auch in der menschlichen Zivilisation viele Beweise für natürliche Selektion finden. Achtet darauf, wenn ihr das nächste Mal ins Büro geht.

Quelle: Welt