Europäischer Gerichtshof: Mehr Rechte für Fluggäste – Der Europäische Gerichtshof (EUGH) hat kürzlich ein Urteil zugunsten von Fluggästen gefällt, demzufolge diese künftig auf eine Entschädigung hoffen können, wenn eine Airline ihre Kunden nicht rechtzeitig über eine geänderte Abflugzeit des gebuchten Fluges vorab informiert.

Genauer: „Ein Flug ist als ‚annulliert‘ anzusehen, wenn das ausführende Luftfahrtunternehmen ihn um mehr als eine Stunde vorverlegt.“

In einem solchen Fall müssen die Flugunternehmen je nach Reisestrecke eine Ausgleichspauschale zwischen 250 und 600 Euro zahlen, wenn die betreffenden Passagiere nicht früh genug über die Verschiebung informiert werden. Denn dies nehme den Fluggästen laut den Richtern aus Luxemburg die Möglichkeit, frei über ihre Zeit zu verfügen.

So könnte eine neue Abflugzeit dazu führen, dass Fluggäste große Anstrengungen auf sich nehmen müssen, um noch rechtzeitig am Flughafen zu sein.

Sollte es zu einer „erheblichen“ Vorverlegung kommen, müsse die Airline laut dem Urteil stets den Gesamtbetrag der Entschädigung zahlen.

Eine solche wird laut den EU-Fluggastrechten im Falle einer Annullierung nicht fällig, wenn die Anbieter rechtzeitig Bescheid sagen. Dies gilt unter anderem dann, wenn mindestens zwei Wochen vor Abflug eine entsprechende Info erteilt wird.

Zwar begrüßt der Europaabgeordnete Rasmus Andresen das Urteil, jedoch moniert er, dass Airlines auch ohne den Weg über das Gericht ihren Kunden Entschädigungen auszahlen sollten.

„[…]es ist ein unerträglicher Missstand, dass Fluggäste immer wieder klagen müssen, um zu ihrem Recht zu kommen“, so der Grünen-Politiker.

Aber immerhin geht es voran in Sachen Fluggastrechte, nachdem die Richter des EuGH im Oktober bereits entschieden hatten, dass Kunden auch dann eine Entschädigung zusteht, wenn ein Flug wegen eines Streiks gestrichen wird – Ausnahmen gebe es hier nur in Einzelfällen.

Kommt es zudem zu einer kurzen Flugumleitung, müsse die Airline überdies für die Kosten für die Fahrt zum ursprünglichen Ziel aufkommen.

Allerdings wurde auch zugunsten der Fluggesellschaften geurteilt, die beispielsweise keine Entschädigung zu zahlen haben, wenn sich ein Flug wegen randalierender Gäste verspätet. Dies gilt allerdings nicht, wenn die Airline selber zu einem solchen Verhalten beigetragen hat oder bereits vor dem Boarding Anzeichen einer Eskalation auszumachen waren.

Quelle: stern.de